Im zweiten Lebensjahr wächst das Durchsetzungsvermögen

 

In den letzten 12 Monaten hat Ihr Kind große Fortschritte gemacht. Es kann nun im Alter von 18 Monaten schon recht sicher alleine gehen, vielleicht sogar rennen und ein paar Schritte rückwärts machen. Auch die Treppen meistert es irgendwie - auf allen Vieren oder auf zwei Beinen, wenn es sich festhalten kann. Ballspiele sind beliebt - egal ob Junge oder Mädchen. 

 

Seine Motorik ist so weit entwickelt, dass es Buchseiten umblättern und gut mit dem Löffel essen kann. Ihr Kind liebt es irgendetwas ein- und auszuräumen. Mit Wasser, Sand und Erde kann man herrlich matschen. Alles will angefasst werden und schon bald wird Ihr Kind versuchen, eine Kiste oder einen Stuhl so zu verschieben, dass es auch höher gelegene Dinge packen kann. Klettern ist überhaupt seine Lieblingsbeschäftigung.

 

Junge oder Mädchen - so langsam wird ihr Kind einen Unterschied bemerken und mit großer Neugier studieren. Zudem kennt es schon viele seiner Körperteile, es wird Ihnen mit Begeisterung immer wieder Ohren, Augen, Nase, Hände und Füße zeigen, wenn Sie es danach fragen.

 

Zweiwort-Sätze sind nun selbstverständlich. Es versteht praktisch alles was Sie sagen und sagt am liebsten zu allem und jedem "NEIN!". Ihr Kind hört sicher gerne Geschichten und liebt Wiederholungen. Zudem mag es alle Gegenstände, mit denen es "Musik" machen kann, Musik allerdings, die in Ihren Ohren wohl eher als Lärm empfunden wird.

 

 

 

 

Trotzkopf

 

Eben noch in friedliches Spiel vertieft - verwandelt sich Ihr Kind von einer Minute zur anderen in ein schreiendes, tobendes Energiebündel, das sich mit aller Kraft gegen alle Argumente und jegliche Beruhigungsversuche wehrt. Dies ist eine wichtige Entwicklungsphase im Leben eines Kleinkindes: die sogenannte Trotzphase, die ungefähr im Alter zwischen 2 1/2 und 3 Jahren beginnt und ungefähr bis zum 4. Lebensjahr dauern kann.

Angesichts von Wutausbrüchen, Toben und Brüllen, gepaart mit heftigem körperlichen Einsatz, der von Treten über Faustattacken bis zum Wälzen auf dem Boden geht, stehen Mütter und Väter manchmal ziemlich hilflos da.

 

Doch auch wenn Sie sich als Ziel dieser heftigen Ärgerreaktionen erleben: Die Kinder proben nicht den Widerstand, um ihre Eltern zu ärgern. Es geht nicht um das Dagegensein an sich, vielmehr ist die Trotzphase die erste Ablösung von den Eltern, der Weg zum selbst bestimmten Handeln, zum Selbständigwerden Ihres Kindes.

 

Es gibt Parallelen zur körperlichen Entwicklung: Die Trotzphase geht mit der so genannten analen Phase einher. Ab dem zweiten Lebensjahr kann das Kind seine Muskeln immer besser nach seinem eigenen Willen kontrollieren und lernt auch, seinen Schließmuskel zu beherrschen. Dieses Festhalten und Loslassen ist ein Spiel und bedeutet für ein Kind auch Selbstständigkeit. 

Gleichzeitig wird die gewonnene Selbstständigkeit von den Forderungen der Erwachsenen eingeschränkt, die im Rahmen der Sauberkeitserziehung das Kind mit Regeln konfrontieren.

 

In dieser Trotzphase möchte Ihr Kind die Dinge nach seinen eigenen Wünschen gestalten und ausprobieren und stößt dabei ständig an Grenzen, erlebt Verbote und Einschränkungen. Und das vor allem von den Eltern, auf die es sich doch bisher so gut verlassen konnte! Es erlebt sich und seine Bedürfnisse als gegensätzlich zu den Wünschen der Eltern. Die Trotzreaktion ist daher Ausdruck dieser nicht zu verstehenden Diskrepanz. Doch diese erste Konflikterfahrung und die aggressiven Gefühle, die das Kind dabei erlebt, sind unerlässlich für eine gesunde Entwicklung hin zu einem eigenen Willen.

 

Wichtig dabei ist die Reaktion der Eltern: Auch wenn Ihnen angesichts Ihres schreienden und nicht zu bändigen Sprösslings manchmal der Geduldsfaden reißt ist gerade jetzt Gelassenheit und Geduld die hilfreichste aller Reaktionen.

Wenn Sie verstehen, in welch innerem Chaos sich Ihr Kind befindet, werden Sie es leichter haben, die wütenden Reaktionen mit innerer Distanz zu sehen. Bestrafungen und zusätzliche Verbote, die als weitere Einschränkungen empfunden werden, machen jetzt keinen Sinn und verstärken nur Trotz und Ärger.