Schwangerschaft 21. bis 24. Woche (6. Monat)
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Ultraschallbild der Wirbelsäule in der 22. Schwangerschaftswoche Quelle: swissmom.ch |
21. Schwangerschaftswoche (SSW 21)
Ihr Kind nimmt sehr schnell an Gewicht zu. Bei den Mädchen wird die Scheide ausgebildet, wobei die Eierstöcke schon über sechs Millionen Eier enthalten.
Voll entwickelt ist zu dieser Zeit auch das Gleichgewichtsorgan im Innenohr. Dadurch ist Ihr Baby in der Lage, sich zu orientieren und sich selbst wahrzunehmen. Mit den Händen kann es jetzt schon seine Umgebung abtasten und auch Geräusche hören. So nimmt der Fetus die Darmgeräusche der Mutter, das Strömen des Blutes und den Herzschlag seiner Mutter wahr. Dies alles wirkt sicherlich sehr beruhigend.
In der Entwicklung sind auch die Lungenbläschen. Leber und Milz beginnen mit der Produktion der weißen Blutkörperchen. Das Ihres Babys schlägt ca. 150 mal in der Minute und transportiert dabei 100 Liter Blut pro Tag. Der Herzschlag wird bald so kräftig, dass man ihn durch die Bauchdecke hören kann. Ihr Baby kann Atembewegungen ausführen, schlucken, husten und am Daumen lutschen.
Zwischen der 19. und 22. Woche beginnt das Kopfhaar zu wachsen. Zahnleisten für die Milchzähne werden angelegt und die Haut verliert ihre Durchsichtigkeit. Sie ist mit einem feinen Flaum bedeckt, den Lanugohaaren, die sowohl schützen als auch die Körpertemperatur regulieren. Die Lanugobehaarung verschwindet normalerweise im 9. Schwangerschaftsmonat, was bei der Geburt als Reifezeichen gewertet wird. Eine weißliche, wächserne Schicht bedeckt den ganzen Körper Ihres Babys, die Vernix caseosa oder Käseschmiere. Sie schützt vor Austrocknung und Wärmeverlust, aber auch davor, dass die Haut vom Fruchtwasser zu sehr aufgeweicht wird. Der Fett-Film erleichtert später bei der Geburt den Weg durch den Geburtskanal.
Um die Augenlider bildet sich ein feiner Kranz von Wimpern, die Finger und Fußnägel werden
langsam härter, ebenso wie das Skelett - und auf der Brust erscheinen zwei winzige, blassrote Warzen.
Alles ist in Bewegung
Ab der 20. SSW können Sie erste Kindsbewegungen spüren. Dies ist ein Zeichen, dass es ihm gut geht. Anfangs sind die Kindsbewegungen sehr zart und können sich anfühlen wie leichtes Flattern oder Klopfen. Später werden diese Bewegungen immer deutlicher und sind als kleine Verformungen auf der Bauchdecke sichtbar. Häufigkeit und Intensität dieser Bewegungen unterscheiden sich von Kind zu Kind. Nahezu schwerelos schwebt es im Fruchtwasser und schlägt ab und zu auch Purzelbäume.
Ist der späteren Schwangerschaft lassen die Aktivitäten dann wieder nach, das Kind die Gebärmutter komplett ausfüllt und nicht mehr viel Platz zum Drehen und Wenden hat.
Noch liegt der Kopf des Kindes oben. An der linken oderrechten Bauchseite können Sie schon den Rücken ertasten, auf der jeweils gegenüber liegenden Bauchseite machen sich die Händchen bemerkbar.
Der mütterliche Körper verändert sich
Der Bauch ist nun nicht merh zu übersehen. Die nach oben wachsende Gebärmutter drückt darüber liegende Organe etwas höher. Es kann zu Sodbrennen und zu leichter Kurzatmigkeit durch den erhöhten Sauerstoffbedarf kommen.
Der Druck der Gebärmutter auf die Gefäße im Becken sowie einem Mangel an Kalzium und anderen Mineralstoffen können Krämpfe in den Beinen auftreten.
Durch eine gesteigerte Schilddrüsenaktivität kann es sein, dass Sie auf Hitze empfindlicher reagieren.
Manche Frauen spüren jetzt schon ab und zu ein schmerzloses Hartwerden der Gebärmutter. Das sind Vorwehen, die aber nur eine harmlose Körperübung sind. Kommen diese Kontraktionen sehr häufig, regelmässig und schmerzhaft, sollten Sie Ihren Frauenarzt, Ihre Frauenärztin informieren. Es könnte sich dann um echte vorzeitige Wehen handeln.
Wichtig: Wenn bei einer Vorsorgeuntersuchung in diesen Wochen Zucker im Urin gefunden wird, müssen weitere Kontrollen und eventuell ein Glucose-Belastungstest durchgeführt werden. Ein Schwangerschaftsdiabetes kann meist schon durch Ernährungsumstellung positiv beeinflusst werden.
Wenn Sie einen erhöhten Blutdruck oder Eiweiß im Urin haben, werden Sie ab jetzt etwas gründlicher überwacht. Beide Befunde können ein Anzeichen für eine Präeklampsie sein. Die Präeklampsie, auch Gestose oder Schwangerschaftsvergiftung genannt, kann nicht nur die Versorgung Ihres Kindes beeinträchtigen, sondern unbehandelt auch in eine auch für Sie lebensgefährliche Eklampsie übergehen. In den meisten Fällen ist sie aber durch Ruhe und kleine Umstellungen in der Ernährung gut zu beherrschen.
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Ultraschallbild des Profils in der 22. Schwangerschaftswoche Quelle: swissmom.ch |
22. Schwangerschaftswoche (SSW 22)
Das Kind reagiert auf schon Geräusche und entwickelt einen Schlaf-Wach-Rhythmus. Durch Bewegungen der Mutter kann es geweckt werden. Geräusche von außen, wie Ihre oder die Stimme Ihres Partners, Musik werden zwar vom Fruchtwasser gedämpft, sind jedoch deutlich zu hören.
Ihr Kind lernt, bestimmte Geräuschmuster voneinander zu unterscheiden, es kann fühlen und hören. So erwacht zunehmend sein Bewusstsein für seine Umwelt.
Ihr Baby legt mehr und mehr an Gewicht zu, das Gehirn wird größer und entwickelt die Gehirnwindungen. Im Ultraschall sieht man häufig, wie das Baby am Daumen lutscht. Das ist eine sehr wichtige Übung, um den Saugreflex zu trainieren. Manchmal hat es Schluckauf, das merken Sie an den kleinen rhythmischen Zuckungen im Bauch. Aber auch sonst ist es an einigen Stunden des Tages sehr aktiv. Der Kopf misst in etwa 52 bis 62 mm Durchmesser, das Gewicht des Kindes liegt bei etwa 500 g.
Training für den Beckenboden
Ihre Beckenbodenmuskeln müssen dem Druck des Babys standhalten. Training kräftigt sie. Eine gute Übung: der "Fahrstuhl": Spannen Sie die Muskeln im Scheiden- und Afterbereich an, als wollten Sie sich den Gang zur Toilette verkneifen. Denken Sie an einen Aufzug, der vom ersten in den dritten Stock und zurück fährt und auf jeder Etage kurz hält. Entsprechend stärker bzw. schwächer ist die Spannung, zur Lockerung geht’s auch mal in den Keller. Diese „Rückbildungsgymnastik“ ist auch schon vor der Geburt sinnvoll und sollte mehrmals pro Tag durchgefürht werden.
Eine gute Übung zur Vermeidung von Rückenschmerzen und zum Training der Bauchmuskulatur ist die Beckenwiege (das Schambein wird dabei nach vorne und oben bewegt), die man im Stehen, Liegen oder Sitzen durchführen kann.
Die Hüftgelenke werden beweglicher und der Beckenboden elastischer, wenn Sie so oft es geht in der Hocke sitzen. Bei der Geburt wird Ihnen das enorm helfen!
Schwangerschaftsstreifen
Manche Schwangere, besonders solche mit einem schwachen Bindegewebe, bekommen Schwangerschaftsstreifen (Striae). Sie verschwinden nach der Geburt nicht, werden aber deutlich blasser. Spezielle Pflege mit Cremes, Öl und Massagen sollen helfen.
23. Schwangerschaftswoche (SSW 23)
Ihr Baby wird nun pro Woche etwa 100g schwerer. Mit zunehmendem Gewicht wird auch die Haut glatter. Die Augenbrauen sind zu erkennen und Fingernägel bedecken jetzt die Fingerkuppen.
Das Verdauungssystem Ihres Kindes arbeitet schon und kann Nährstoffe im Darm aufnehmen. Die Lungen sind dagegen noch sehr unreif. Erst am Ende des 8. Monats könnten sie ihre Funktion erfüllen, weil dann genügend Surfactant gebildet wird. Dieser wichtige Stoff verhindert, dass die Lungenbläschen bei der Ausatmung ganz zusammenfallen. Frühgeborene haben deshalb vor allem Schwierigkeiten mit der Atmung, was auch als Atemnotsyndrom bezeichnet wird.
Schon im Bauch hat sich bei Ihrem Baby nun ein Schlaf-Wach-Rhythmus eingespielt. Insgesamt schläft es etwa 16 bis 20 Stunden am Tag. Und es kann schon recht komplizierte Handbewegungen ausführen und unverwechselbare Fingerabdrücke hinterlassen!
Sein Kopfdurchmesser ist jetzt in etwa 55 bis 66 mm groß, das Gewicht beträgt ca. 600 g.
Unangenehme Beschwerden
Die vergrößerte Blutmenge im mütterlichen Kreislauf sowie das kindliche Gewicht, das auf die Beckenvenen drückt, können zu Krampfadern führen.
So können Sie Venenbeschwerden vorbeugen:
- Duschen Sie abwechselnd heiß und kalt.
- Verschaffen Sie sich viel Bewegung.
- Lagern Sie Ihre Beine so oft es geht hoch.
- Sitzen Sie niemals mit überkreuzten Beinen.
- Tragen Sie möglichst flache Schuhe und Stützstrumpfhosen.
Eine ballaststoffreiche Ernährung und viel Flüssigkeit sorgen für eine rege Darmtätigkeit. Gegen eventuell auftretende Hämorrhoiden helfen lauwarme Bäder und Kompressen mit Kamille oder Eichenrindenextrakt.
Wichtig wäre es jetzt, wenn Sie zwischendurch mehr Pausen einlegen und möglichst wenige Arbeiten im Stehen verrichten.
Denken Sie auch daran, dass Schwangere keine schweren Lasten (nicht mehr als 5 kg) heben oder tragen sollten.
Ein Tipp: Achten Sei beim Autofahren darauf, dass der Sicherheitsgurt nicht über den Bauch geführt wird, sondern unter- und oberhalb.
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Ultraschallbild des Gesichts in der 24. Schwangerschaftswoche Quelle: swissmom.ch |
24. Schwangerschaftswoche (SSW 24)
Die Fruchtwassermenge nimmt weiter zu und die Zusammensetzung des Wassers ändert sich. Ähnelte es anfangs eher einem Serum, so enthält das Wasser nun abgestorbene Zellen, Wollhaar und Hautschmiere.
Als Reaktion auf Geräusche kann Ihr Kind mit konkreten Bewegungen reagieren. Sein Gleichgewichtssinn ist schon stark entwickelt. Es kann sich im Bauch orientieren und gezielt bewegen.
Ab jetzt könnte man Ihr Baby schon "unter optimalen Bedingungen lebensfähig" nennen. Es hätte eine gewisse Überlebenschance, wenn es in einer Klinik mit einer sehr guten Neugeborenen-Intensivabteilung auf die Welt käme.
Das Gewicht des Babys beträgt ca. 700 g, der Kopfdurchmesser ca. 58 bis 69 mm.
Ärztliche Kontrollen
Der Hämoglobinwert im Blut wird von nun an häufiger bestimmt werden. Dieser Bluttest gibt Auskunft darüber, ob Ihr Baby optimal mit Sauerstoff versorgt wird. Falls der Hb-Wert zu niedrig ist, liegt wahrscheinlich ein Eisenmangel vor. Eventuell muß dann zusätzlich ein Eisenpräparat eingenommen werden.
In der 24. bis 27. Woche wird auch der Antikörper-Suchtest im Blut wiederholt. Dabei geht es nicht nur um Blutgruppen-Antikörper, sondern auch um frische Antikörper nach Infektionen (IgM), z.B. Röteln oder Toxoplasmose. Wenn Sie Rhesus negativ sind und keine Anti-D-Antikörper nachweisbar sind, wird Ihnen wahrscheinlich in der 28. bis 30. SSW eine Spritze mit Anti-D-Globulin gegeben.






