Gesunder Säuglingsschlaf
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Der plötzliche Säuglingstod (im englischen Sprachgebrauch Sudden Infant death syndrome, SIDS) ist für Eltern ein beängstigendes Thema und für die betroffenen Familien ein furchtbarer Schicksalsschlag mit massiven Folgen für die Hinterbliebenen. In den Industrienationen gilt SIDS als häufigste Todesursache von Kindern jenseits der Neonatalperiode. Bei einer Häufigkeit von 0,53 pro 1000 Lebendgeborene starben im Jahr 2003 372 Babies in Deutschland (Quelle: www.GBE-Bund.de). Das sind pro Woche mehr als sieben Kinder.
Konzept der Präventionskampagne in Bayern
Die SIDS- Prävention wird in Bayern derzeit in den jeweiligen Geburts- und Kinderkliniken, durch Hebammen sowie von niedergelassenen Ärzten durchgeführt mit einer Vielzahl unterschiedlichen Info-Materialen. 2005 wurde die Umsetzung von Empfehlungen zur SIDS-Prävention und die Informationspolitik der Geburtskliniken in Bayern erhoben. Zudem wurden 500 zufällig ausgewählte Eltern des Geburtsjahrgangs 2004 zu Information und Verhalten bezüglich SIDS befragt. Diese Erhebung ergab, dass die Einschätzung von Informationen zur SIDS- Prävention zwischen Klinik und Eltern deutlich divergieren. Ca. 90 Prozent der Geburtskliniken informieren die Eltern, allerdings gaben nur ca. 70 Prozent der Eltern an, Informationen zu haben, von denen nur 50 Prozent aus Klinik oder Arztpraxis stammen.
Die durch epidemiologische Studien gut abgesicherten Empfehlungen werden derzeit an den bayerischen Geburtskliniken nur unzureichend umgesetzt (nur 60 Prozent der Kinder werden ausschließlich in Rückenlage gelegt, nur 12 Prozent der Kliniken verfügen über Schlafsäcke). Dies ist alarmierend, da Kinderzimmer in Geburtskliniken für junge Eltern eine Vorbildfunktion haben. Die Responserate der Elternbefragung betrug ca. 60 Prozent, wobei Eltern mit höherem Bildungsniveau und deutscher Muttersprache etwas überrepräsentiert waren. Von diesen Eltern wurden die Empfehlungen zum Teil gut, zum Teil aber noch nicht ausreichend umgesetzt (80 Prozent Rückenlage, 88 Prozent Zimmertemperatur bis 18 °C , 55 Prozent im eigenen Bett im Elternschlafzimmer, 56 Prozent Schlafsack, 75 Prozent Nichtrauchen).
Zur Senkung der SIDS Raten in Bayern wurde daher 2006 eine flächendeckende Präventionskampagne gestartet werden.
Wichtige Tipps zum sicheren und gesunden Babyschlaf:
- Rückenlage
- Rauchfrei
- Stillen ist gesund
- Das eigene Bettchen im Elternschlafzimmer
- Schlafsäckchen
- Schutz vor Überwärmung
Eine Informationsbroschüre, die in verschiedene Sprachen übersetzt wird, fasst diese Punkte kurz zusammen. Sie soll als Grundlage für einheitliche Informationsgespräche dienen, so dass die Schwangeren und Eltern nicht durch unterschiedliche Botschaften verunsichert werden (der Flyer ist zu beziehen unter: www.lgl.bayern.de oder Tel: 089 / 31560-304).
Die Empfehlungen im Detail:
Rückenlage
"Das Baby sollte vom ersten Tag an immer - auch am Tage - auf dem Rücken schlafen. Dies ist die wichtigste Vorsorgemaßnahme für einen sicheren Schlaf des Babys."
Wenn der Säugling wach ist und beaufsichtigt wird sollte die Bauchlage von Anfang an empfohlen werden. Dies ist für eine gute motorische Entwicklung und die Vermeidung von Fehlbildungen des Schädels (Flachschädel, Plagiocephalie) wichtig. Deswegen ist auch zu empfehlen, das Baby bei der Flaschenfütterung oder beim Stillen, abwechselnd links und rechts zu halten. Auch beim Schlafen sollte der Kopf des Säuglings von Anfang an abwechselnd nach links oder nach rechts gelegt werden. Zum Beispiel kann auch ein Spielzeug abwechselnd rechts oder links aufgehängt werden. Bei Entwicklung einer bevorzugten Haltung sollte professioneller Rat eingeholt werden.
Das Baby sollte niemals unbeaufsichtigt in der Bauchlage schlafen. Es gibt Ausnahmesituationen, diesen Rat nicht zu befolgen, aber nur nach Rücksprache mit Fachpersonal.
1990 wurden in Deutschland 42 Prozent der Säuglinge auf dem Bauch zum Schlafen gelegt, 2004 waren es circa acht Prozent, was immer noch häufiger ist als in Ländern mit landesweiten Präventionskampagnen aus denen von 2 bis 4 Prozent berichtet wird. Parallel zur Häufigkeit der Bauchlage sanken auch die postneonatale Mortalität und die SIDS-Inzidenz. In dieser Zeit wurde die allgemein als instabil bewertete Seitenlage als neuer Risikofaktor relevant. In dieser Lage besteht die Möglichkeit, dass die Kinder in Bauchlage rollen, was für Säuglinge, die diese Schlaflage nicht gewöhnt sind, ein besonders hohes Risiko darstellt.
Rauchfrei
"Rauchen während der Schwangerschaft und nach der Geburt erhöht das Risiko für viele Erkrankungen insbesondere auch für den Plötzlichen Kindstod. In der Wohnumgebung sollte auf das Rauchen verzichtet werden besonders bei Anwesenheit des Babys."
Auch wenn das Rauchverhalten sicherlich der am schwierigsten zu beeinflussende Faktor ist, sollte doch besonderer Wert auf dieses Risiko gelegt werden. Kein anderer Risikofaktor neben der Bauchlage hat einen so hohen Stellenwert wie das Rauchen, welches sich in fast allen Studien zu SIDS als einer der Hauptrisikofaktoren erwiesen hat. Zudem ist eine rauchfreie Umgebung für die Gesundheit der Kinder auch aus vielen anderen Gründen dringend zu empfehlen.
Stillen ist gesund
"Wenn möglich, sollte das Baby 6 Monate lang gestillt werden. Das stärkt seinen Organismus und sein Immunsystem."
Der positive Effekt des Stillens auf die Reduzierung des SIDS-Risikos konnte in einigen Studien gezeigt werden, in anderen hingegen nicht. In der großen deutschen BMBF-Studie zeigte sich Stillen von mindestens 2 Wochen deutlich als protektiver Faktor. Zudem ist unumstritten, dass Stillen für Mutter und Kind eine Vielzahl positiver Effekte hat.
In einigen neueren Studien wurde ein deutlicher schützender Effekt von Schnullern bezüglich SIDS berichtet. Wegen möglicher negativer Auswirkungen z.B. auf das Stillverhalten ist eine allgemeine Empfehlung bezüglich Einsatz eines Schnullers derzeit umstritten. In den USA wird seit Oktober 2005 ein bedachtsamer, differenzierter Einsatz von Schnullern empfohlen.
Im Elternschlafzimmer im eigenen Bettchen
"Im ersten Jahr sollte das Baby in Ihrem Schlafzimmer im eigenen Bettchen schlafen."
Das Schlafen der Kinder im eigenen Bett im Zimmer der Eltern gilt als Risiko mindernd. Als Ursache dafür wird eine positive akustische Stimulanz durch die Schlafgeräusche der Eltern diskutiert. Die Kinderbettmatratze sollte fest sein, damit das Kind nicht darin versinken kann. Das Schlafen im Bett der Eltern ist insbesondere im den ersten Lebenswochen und bei Raucherinnen ein Risikofaktor. Die Matratzen der Elternbetten sind in der Regel weicher und die Decken können zu Überwärmung oder Ersticken führen. Andererseits gilt es als erwiesen, dass das Schlafen im Elternbett die Stillraten und Stilldauer positiv beeinflusst, was für die Gesundheit des Kindes ein wichtiger Faktor ist. Die Kinder sollten nach Möglichkeit nach dem Stillen wieder in ihr Bettchen gelegt werden. Das gemeinsame Schlafen auf dem Sofa scheint ein besonderes hohes Risiko darzustellen.
Schlafsäckchen
"Babyschlafsäckchen sind sicherer als Decken (sie lassen sich nicht wegstrampeln oder über den Kopf ziehen). Beim Kauf sollten Sie darauf achten, dass das Säckchen nicht zu groß und die Halsöffnung nicht größer als der Kopfumfang ist. In Fachgeschäften werden spezielle Neugeborenenschlafsäckchen angeboten. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind nicht unter Kissen, Nestchen, Decken oder Kuscheltieren ersticken kann."
Immer wieder werden bislang völlig gesunde Kinder, die plötzlich und unerwartet verstarben (SIDS) mit einer Decke oder einem Kissen über dem Kopf aufgefunden. Damit kann ein Kissen oder eine Zudecke als sehr schwerwiegenden Risikofaktor identifiziert werden. Dieses Risiko lässt sich durch Verwendung eines Schlafsacks wirksam vermeiden. Sollte die Verwendung eines Schlafssacks nicht möglich sein, sollten leichte Decken verwendet werden, die so befestigt werden, dass das Kind nicht darunter ersticken kann. Die Kinder sollten mit den Füßen bereits am Fußende des Bettes liegen und die Decken maximal bis zur Brust hochgezogen werden.
Schutz vor Überwärmung
"Das Schlafzimmer sollte auch im Winter nicht wärmer als ca. 18° C gehalten werden. Wenn das Baby im Nackenbereich schwitzt, ist die Umgebung zu warm."
Eine angemessene Zimmertemperatur zusammen mit der Verwendung eines Schlafsäckchens kann das Kind vor Überwärmung schützen. Heizungsluft trocknet die Schleimhäute aus und ist deshalb gerade bei Atemwegsinfekten besonders kontraproduktiv. Selbstverständlich sollen die Kinder nicht frieren. Individuell kann die angenehmste Temperatur anhand der Hauttemperatur im Nacken bzw. zwischen den Schulterblättern überprüft werden, welche warm aber trocken sein sollte. Im Sommer sollten Eltern nicht verunsichert werden, wenn keine 18°C im Zimmer erreichbar sind. Klimaanlagen/Ventilatoren sind nicht notwendig. Es genügt, wenn die Kinder angemessen leicht bekleidet sind.




