Für die meisten Kinder ist das Aussehen einer Büchertasche am wichtigsten. Bunte Farben, fantasievolle Designs und Motive wie Pferde oder Blumen für Mädchen, beziehungsweise Autos oder Fußbälle gelten ihnen alles.

Verantwortungsbewusste Eltern sollten jedoch bei den Schultaschen an eine Menge anderer Dinge denken, die mit dem Aussehen nichts zu tun haben. Zu schwere, falsch gehandhabte oder minderwertige Schulranzen bergen zahlreiche gesundheitliche Gefahren für den sich entwickelnden Körper der Kinder.

 

Wie viel sollte die Büchertasche wiegen?
Hartnäckig hält sich der Glaube, sie solle höchstens zehn Prozent des Körpergewichts wiegen. Die zu Grunde liegenden Untersuchungen stammen jedoch höchstwahrscheinlich von Soldaten vor dem 1. Weltkrieg, die 20 Kilometer lange Gewaltmärsche mit ihren Schultaschen zurücklegen mussten. Nach aktuellen Erkenntnissen können die Schulranzen bis zu 20 Prozent des Körpergewichts wiegen, ohne dass irgendwelche Schäden zu erwarten sind. Bei einem Schulweg, der nicht länger als 20 Minuten dauert, darf der Grundschul-Schultasche jedoch vom Gewicht her auch leicht darüber liegen. Diese Erkenntnisse offenbarte Eduard Schmitt, stellvertretender Direktor der Klinik für Orthopädie an der Universität des Saarlandes, bereits Ende 2012 in einem Interview mit Berit Uhlmann in der Süddeutschen Zeitung. Er beschäftigt sich seit Jahren mit Haltungsschäden bei Kindern.

 

Neben Überlegungen hinsichtlich des Verhältnisses von Körper- und Schulranzengewicht sollten die Eltern beim Kauf das Eigengewicht des Schultasches beachten. Normalerweise wiegen diese etwa 1,1 bis 1,3 Kilogramm. Ein Gewicht von einem Kilogramm oder weniger ist jedoch wünschenswert. Heutzutage sind die Schulen deutlich entgegenkommender, wenn es darum geht, schwerere Bücher im Gebäude zu lagern. Teilweise sind die Schulen mit nützlichen Spinden ausgestattet. Dennoch ist es wichtig, wie die Kinder die Büchertasche packen.

 


Wie sollte der Schulranzen gepackt werden?
Kinder neigen dazu, viele unnütze Dinge (Comics, Kartenspiele, Essen) mitzuschleppen. Deshalb sollten Eltern gerade die Abc-Schützen beim Packen unterstützen. Gegen das Überpacken helfen auch Büchertaschen mit einem etwas kleineren Volumen von etwa 15 Litern. Üblicherweise beträgt der Inhalt 19 bis 22 Liter.


Grundschüler denken noch nicht so strukturiert wie Erwachsene. Daher ist es hilfreich, wenn ihre Büchertasche eine gute Aufteilung besitzt. So können Fächer für Geldbeutel oder Tickets, Abteilungen für Hefte sowie Seitentaschen für Trinkflaschen nicht nur durch ihre Beschränkung auf das Wesentliche das Gewicht des Schultasches reduzieren, da die Kinder damit nicht zu viel einpacken. Sie helfen dem Kind auch, planvoller zu denken. Generell ist es wichtig, die schwersten Dinge nahe am Rücken zu platzieren.


Haltungsschäden durch schlechten Sitz der Schultasche
Die Belastbarkeit der Wirbelsäule wächst erst mit dem Körper heran. Der Rücken wird entlastet, wenn die Büchertasche einen Bauchgurt besitzt. Hilfreich ist eine atmungsaktive Polsterung an der Rückenfläche. Diese kann auch an der „S“-Form der Wirbelsäule orientiert sein.
Noch entscheidender sind jedoch die Tragegurte. Bei einem schweren Schulranzen mit zu kurzen Riemen kann die Brustwirbelsäule dauerhaft verkrümmt werden. Sind die Gurte zu lang und der Schultasche zu schwer, verstärkt dies das Hohlkreuz. Diese Erkenntnisse wurden im Rahmen einer Pressemitteilung der Orthopädischen Klinik der Universität Regensburg in Bad Abbach herausgegeben. Dort finden sich weitere Tipps, die in Bezug auf den Schuljahresbeginn im September 2013 veröffentlicht wurden.

Aufgrund dieser Probleme sollten die Trageriemen einfach und stufenlos verstellbar sein. Die richtige Breite für die Gurte ist etwa vier Zentimeter. Sind letztere schmaler, können sie einschneiden. Sind sie dagegen zu breit oder auch nicht griffig (Innenseite), können sie abrutschen. Beides kann die beschriebenen Haltungsschäden verstärken. Wie bei der Rückenfläche ist es deshalb sinnvoll, wenn diese atmungsaktiv und rutschfest gepolstert sind.

Generell sollte der Ranzen nicht auf Po-Höhe sitzen. Wenn er zu tief herunterhängt, wird er nicht ausreichend vom Rücken abgestützt. Sitzt die Oberkante der Schultasche knapp unter den Schulterblättern, ist es am besten.


Richtig heben und tragen
Aus Eile oder aus Coolness nur an einem Riemen getragene Büchertaschen können Rückenkrümmungen oder seitliche Biegungen der Wirbelsäule verursachen. Diese ist durch einen hohen Wassergehalt der Bandscheiben und elastischere Kreuzbänder wesentlich leichter zu krümmen als bei Erwachsenen. Deshalb sollten Eltern auf das Tragen durch ihre Kinder achten. Den gleichen schädlichen Effekt hat es, wenn Kinder regelmäßig oder über einen längeren Zeitraum den Schulranzen nur am Griff hochheben, da sie sich dann zur Seite neigen.


Schadstoffarm und sicher
Nicht nur die Kleidung der Abc-Schützen, sondern auch ihr Schulranzen sollte schadstoffarm hergestellt sein. Ansonsten können Allergien oder Hautreizungen die Folge sein. Nachhaltig produzierte Büchertaschen wie z.B. der Ergobag sind bei zertifizierten Fachhändlern heute erhältlich. Umweltbewusste Hersteller vermeiden giftige Weichmacher (Phtalate) oder polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs). Eltern sollten auf anerkannte Zertifikate (TÜV, GS, CE-Siegel) achten und bezüglich der Sicherheit den europaweit geltenden Normen vertrauen. Der Standard der DIN 58124 garantiert, dass die Büchertaschen zu einem festgelegten Prozentsatz der Oberfläche mit fluoreszierendem (orange oder gelb) und reflektierendem Material versehen sind. Ferner wird durch diese Norm die Wetterfestigkeit gesichert.

 

 

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