Lebensmittelallergien und Unverträglichkeiten
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Untersuchungen zeigen, dass Lebensmittelallergien im Kindesalter weniger zu den allergischen Reaktionen beitragen als bislang angenommen. Manche Kinder reagieren zwar empfindlich auf bestimmte Lebensmittel, haben aber nicht immer typische Allergie-Symptome. Es kommt immer wieder vor, dass sich Kinder unnötig nach einer speziellen Diät ernähren müssen, weil eine vermutete Lebensmittelunverträglichkeit nicht durch entsprechende Untersuchungen ausreichend abgesichert wurde.
Besonders bei Verdacht auf eine Allergie gegen ein Grundnahrungsmittel oder schwer zu meidende Lebensmittel, sollte vom Arzt eine sehr genaue Diagnose mittels eines oralen Provokationstests durchgeführt werden. Denn das komplette Weglassen eines Grundnahrungsmittels kann zu einer Mangelernährung sowie zu fehlgeleitetem Essverhalten in der Entwicklungsphase führen, wenn die Therapie nicht durch eine Fachkraft (z.B. Ernährungsberater/in) begleitet wird.
Besonders im Säuglings- und Kleinkindalter besteht relativ häufig der Verdacht auf eine Allergie gegen ein Grundnahrungsmittel wie z.B. Kuhmilch, Weizen, Hühnerei. In den meisten Fällen sind die Allergien, vor allem Kuhmilchallergien, bis zum Schuleintritt nicht mehr vorhanden, wenn das nachgewiesen unverträgliche Nahrungsmittel über einen längeren Zeitraum gemieden wurde.
Wenn nicht eindeutig eine Lebensmittelallergie diagnostiziert werden kann, sollte auch an die Untersuchung auf andere Erkrankungen hin, gedacht werden, wie z.B. eine Laktoseintoleranz, eine Fruktosemalabsorption oder eine Zöliakie (glutensensitive Enteropathie). Die Symptome können manchmal einer Lebensmittelunverträglichkeit entsprechen.
Feststellen einer Lebensmittelallergie
Bei Verdacht auf eine Allergie sollten die folgenden Untersuchungen immer von einem Arzt durchgeführt werden:
- Aufnahme der Krankengeschichte des Patienten mittels eines Ernährungs- und Symptomtagebuch (Protokollierung aller verzehrten Lebensmittel und möglicherweise aufgetretene Symptome nach dem Verzehr)
- Hauttest (Prick-Test): Verdächtige allergische Substanzen werden in Lösung auf die Haut getropft oder aus der verdächtigen Obst-/Gemüsesorte direkt auf die Haut gebracht. Durch den Tropfen hindurch oder mit dem Allergen an der Nadel (Lanzette), wird dann die Haut oberflächlich angestochen. Quaddelbildung bedeutet eine positive Reaktion.
- Blutuntersuchung (IgE-Antikörper-Nachweis)
Sind die bisherigen Ergebnisse positiv, deutet dies nur auf eine Sensibilisierung des Körpers gegenüber einem oder mehreren Allergenen hin. Der Nachweis über eine tatsächlich vorliegende Allergie kann nur mit den folgenden Tests erbracht werden:
- Eliminations-Diät (Weglassen spezifischer verdächtiger Lebensmittel zwischen 7 Tagen und 4 Wochen)
- Oraler Provokationstest (gezielte Wiedereinführung der weggelassenen Lebensmittel)
Eine langfristige, spezielle Allergen vermeidende Diät ist nur dann gerechtfertigt, wenn in dem Zeitraum, in dem die verdächtigen Lebensmittel weggelassen wurden keine allergischen Symptome vorhanden waren, diese aber nach Wiedereinführung erneut auftraten.
Zutatenliste deklariert auch mögliche, typisch Allergie auslösende Inhaltsstoffe
Im Rahmen der EU-weiten Kennzeichnungsverordnung müssen inzwischen 14 Hauptallergene und deren Erzeugnisse, unabhängig in welchen Mengen diese eingesetzt wurden, auf der Verpackung gekennzeichnet werden. Auf Kleinverpackungen besteht keine Kennzeichnungspflicht, sondern nur auf der Umverpackung.
Ein Blick auf die Verpackung lohnt sich. Nach EU-Kennzeichnungsverordnung gibt es 14 kennzeichnungspflichtige Hauptallergene:
- Glutenhaltiges Getreide (Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel, Kamut oder Hybridstämme davon) sowie daraus hergestellte Erzeugnisse
- Krebstiere und Krebstiererzeugnisse
- Eier und Eiererzeugnisse
- Fisch und Fischerzeugnisse
- Erdnüsse und Erdnusserzeugnisse
- Soja und Sojaerzeugnisse
- Milch und Milcherzeugnisse (einschließlich Laktose)
- Schalenfrüchte, d.h. Cashewnüsse, Haselnuss, Macadamianuss/Queenslandnuss, Mandel, Paranuss, Pecannuss, Pistazie, Walnuss, sowie daraus hergestellte Erzeugnisse
- Sellerie und Sellerieerzeugnisse
- Senf und Senferzeugnisse
- Sesamsamen und Sesamsamenerzeugnisse
- Schwefeldioxid und Sulfite (bei einer Konzentration von mind. 10 mg/kg oder Liter)
- Lupine und Lupinenerzeugnisse
- Weichtiere und Weichtiererzeugnisse
Kennzeichnung von zusammengesetzten Zutaten
Einige Zutaten wie z.B. Kräuter- und Gewürzmischungen, Konfitüren oder ähnliche Erzeugnisse, Kakao- und Schokoladenerzeugnisse, Fruchtsäfte und Fruchtnektar, Jodsalz müssen nicht detailliert aufgelistet werden, wenn sie unter einer Menge von 2% verwendet wurden. Befinden sich allerdings kennzeichnungspflichtige Lebensmittel unter z.B. verwendeten Gewürzmischungen (wie Laktose, Sellerie oder Senf), müssen diese trotzdem aufgeführt werden. Warnhinweise auf Rückstände von Allergenen (z.B. Nüsse), die während der Produktion, der Lagerung oder durch den Transport in das Produkt gelangen, müssen vom Hersteller auf das entsprechende Produkt aufgebracht werden.
Die so genannte "25%-Regelung" ist gefallen, d.h. auch wenn von einer Zutat weniger als 25% in einem Lebensmittel enthalten sind, muss diese aufgelistet werden. Erdbeeren in Fruchtzubereitungen, Weizengries oder Ei in der Nudeleinlage, Bestandteile von Würstchen im Eintopf müssen nun deklariert werden.
Es gibt Zutaten, die zwar aus allergenen Produkten gewonnen werden, aber im Verarbeitungsprozess so stark verändert oder gereinigt werden, dass ihr Allergie auslösendes Potential verloren geht. Solche Stoffe oder Lebensmittelzutaten sind beispielsweise:
- Glukosesirup aus Weizen- oder Gerstenbasis
- Fischgelatine als Trägerstoff für Vitaminzubereitungen oder Aromen oder
- Fischgelatine als Klärhilfsmittel von Bier, Wein, Apfelwein
- Natürlich gemischte Tocopherole (Vitamin E) (E306) aus Soja
Kreuzallergien (pollenassoziierte Nahungsmittelallergien)
Kinder, die eine pflanzliche Lebensmittelallergie haben, können in den folgenden Lebensjahren auch Kreuzreaktionen mit anderen Pflanzenarten entwickeln, die durch ihre botanische oder chemische Struktur miteinander verwandt sind und somit ähnliche oder identische Allergene (Proteine) aufweisen.
| Bekannte Kreuzreaktionen zwischen | und |
| Baumpollen (Birke, Hasel, Erle) | Nüsse, Stein- und Kernobst (z.B. Äpfel, Birnen, Pfirsich, Pflaume, Kirsche), Kiwi, (roher) Sellerie, rohe Karotte, und rohe Kartoffel (bereits nach Berührung) |
| Gräser- und Getreidepollen | Mehle, wenig verarbeitete Getreideprodukte (Müsli, Frischkornbrei), Hülsenfrüchte (v.a. Soja, Erdnuss), Tomate, Pfefferminze |
| Kräuterpollen | Kräuter (Beifuß), Sellerie (auch gekocht), Kamille, Gewürze (Kümmel, Paprika, Anis, Basilikum, Majoran, Oregano), Löwenzahn, Karotte, Fenchel |
| Latex | Banane, Avocado, Feige, Esskastanie, Kiwi, Mango, Melone, Ananas, Orange, Pfirsich |
Pollenallergiker
Bei einer Nahungsmittelallergie, die auf eine Kreuzreaktion gegenüber Pollen zurückzuführen ist, wird das entsprechende Nahrungsmittel häufig nur während der Flugsaison der Pollen nicht vertragen. Besonders im Herbst und im Winter können manche, der sonst zu meidenden Lebensmittel wieder verzehrt werden.
Hilfen bei einer Lebensmittelallergie
Ist eine Allergie eindeutig diagnostiziert, muss das auslösende Lebensmittel komplett gemieden werden (auch in verarbeiteten Produkten), um eine lang anhaltende Beschwerdefreiheit zu erreichen, denn auch schon kleinste Mengen können Symptome auslösen.
Bei kleinen Kindern sollte daher - unter ärztlicher Kontrolle - eine erneute Provokation in regelmäßigen ein- bis zweijährigen Abständen erfolgen, da sich manche Allergien, besonders gegenüber Grundnahrungsmitteln, nach ein paar Jahren auch wieder verlieren können.
Wenn ein Grundnahrungsmittel (z.B. Kuhmilch, Weizen) gemieden werden muss, ist darauf zu achten, dass das Kind trotzdem mit allen Nährstoffen ausreichend versorgt ist. Die längerfristige Unterstützung einer begleitenden Ernährungstherapie durch eine/n Ernährungsberater/in (z.B. Ernährungswissenschaftler/in oder Diätassistent/in), ist unbedingt zu empfehlen. Ziel ist es, eine weiterhin altersentsprechende und gute Entwicklung des Kindes zu gewährleisten. Außerdem sollen die Kinder die Nahrungsaufnahme wieder mit angenehmen Gefühlen verbinden, um ein positives Essverhalten entwickeln zu können. Häufig haben die Kinder noch Ängste, dass die unangenehmen Beschwerden wieder auftreten. So ist eine intensive Aufklärung der betroffenen Person und der Angehörigen durch den behandelnden Arzt unbedingt erforderlich. Der Therapieerfolg kann erhöht werden, in dem der tägliche Umgang mit den Einschränkungen gelernt und akzeptiert wird.
Hier finden Sie weitere Informationen und Hilfen:
- Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V. (DAAB); http://www.daab.de/
- Arbeitsgemeinschaft Allergiekrankes Kind e.V. (AAK); http://www.aak.de/
- Deutscher Neurodermitiker Bund e.V.; http://www.dnb-ev.de/
- Verband der Diplom-Oecotrophologen e.V.; http://www.vdoe.de/
- Verband der Diätassistentinnen; http://www.vdd.de/
Was bedeutet Pseudoallergie?
Im Gegensatz zu allergischen Reaktionen werden bei nicht-allergischen Lebensmittelunverträglichkeiten keine IgE-Antikörper gegen Allergie auslösende Substanzen gebildet. Das Histamin wird direkt durch das Allergen (z.B. Farbstoffe) selbst freigesetzt. Das Immunsystem ist somit nicht beteiligt. Die Reaktion auf eine Substanz erfolgt im Gegensatz zur "echten" Allergie sofort beim ersten Kontakt. Die Beschwerden/Symptome können aber denen einer echten Lebensmittelallergie entsprechen.
Nicht-allergische Lebensmittelunverträglichkeiten bei Kindern (Pseudoallergien)
Pseudoallergien kommen im Kindesalter nur selten vor. Liegt eine atopische Dermatitis (Neurodermitis) vor, sollte überprüft werden, inwieweit auch pseudoallergische Reaktionen beteiligt sein können.
Typische Auslöser können sein:
- Aromastoffe
- Zusatzstoffe (Farbstoffe, Konservierungsstoffe)
- Biogene Amine (z.B. Histamin)
- Mangel an körpereigenen Enzymen (z.B. Laktoseintoleranz)
Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an biogenen Aminen
- Histamin in: Fischkonserven (vor allem Thunfisch), Rohwurst, Käse, Sauerkraut, Rotwein
- Tyramin in: Käse, Fischkonserven, Sauerkraut, Schokolade
- Serotonin in: Walnüsse, Bananen, Ananas
Typische allergieähnliche Symptome nach Verzehr sind:
Durchfall, Kopfschmerzen, Migräne, Übelkeit, Juckreiz, Nesselausschlag
Diese Beschwerden können auftreten, wenn das Histamin aus den Lebensmitteln nicht schnell genug von den körpereigenen Enzymen abgebaut wird. Tyramin und Serotonin sowie Alkohol oder bestimmte Medikamente können diesen Effekt verstärken.
Der Nachweis über eine vorliegende Pseudoallergie kann nur mit den folgenden Tests erbracht werden:
- Eliminations-Diät (Weglassen spezifischer verdächtiger Lebensmittel zwischen 7 Tagen und 4 Wochen)
- Oraler Provokationstest im Anschluss (gezielte Wiedereinführung der weggelassenen Lebensmittel)
Blutuntersuchungen bringen kein Ergebnis, da das Immunsystem hier nicht beteiligt ist und somit keine Antikörper im Blut nachweisbar sind.
Praktische Tipps für Lebensmittelallergiker:
- Unterstützung und Hilfe finden Sie bei spezialisierten Ärzten und Ernährungsfachkräften
- Lebensmittel, die bei Ihrem Kind nachweislich allergische Beschwerden auslösen, müssen so weit nötig und möglich gemieden werden - lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten.
- Von Vorteil ist es, wenn Sie so wenig wie möglich Fertigprodukte verwenden und die Lebensmittel selbst frisch zubereiten.
- Die Zutatenliste gibt Auskunft über alle Inhaltsstoffe, auch die, die in Spuren enthalten sein können. Es dürfen keine Klassennamen (z.B. pflanzliches Öl, Mehl) angegeben, sondern das Lebensmittel muss direkt benannt werden (z.B. Erdnussöl, Weizenmehl). Wenn Sie trotzdem unsicher sind, ob das zu meidende Allergen enthalten ist, fragen Sie beim Hersteller oder den Verbänden nach.
- Erhitzen (kochen, backen, braten), Zerkleinern oder Säuern von Lebensmitteln, lässt diese verträglicher werden (z.B. Apfelmus anstatt roher Apfel). Bei sehr aggressiven Allergenen wie aus Erdnüssen oder Seefisch ist dies nicht der Fall.
- Mischgewürze können problematisch werden. Die Deklaration gibt Auskunft über die Zusammensetzungen.
- Wichtig ist es, gleichwertige Alternativen zu Lebensmitteln zu finden, die allergische Beschwerden hervorrufen (z.B. calcium-reiche Mineralwässer oder Calcium angereicherte Fruchtsäfte bei Kuhmilchunverträglichkeit, Calciumpräparate).
- Bei einer Lebensmittelallergie Ihres Kindes sollten Erzieher und Lehrer in Kindergarten und Schule darüber informiert werden, besonders wenn das Kind dort zubereitete Mahlzeiten isst.




