Nach der Geburt werden Sie sicher ein paar Tage lang vollkommen erschöpft sein. Nutzen Sie die Zeit in der Klinik, um sich noch ein wenig zu erholen, denn es folgen viele schlaflose Nächte, bevor sich bei Ihrem Kind ein regelmässiger Schlafrhythmus einpendelt.

Ein Neugeborenes verlangt seiner Mutter besonders in den ersten Wochen sehr viel ab. Das Stillen nach Bedarf (manchmal auch alle zwei Stunden - zu jeder Tages- und Nachtzeit) wird anstrengend werden.

 

In den meisten Krankenhäusern wird Ihr Kind auf Ihren Wunsch auch vorübergehend aus dem Zimmer genommen und betreut, damit Sie etwas zur Ruhe kommen.

Ihr Körper wird infolge der drastisch abfallenden Hormonspiegel einige Veränderungen durchmachen. Sorgen Sie Ihrerseits bewusst für Ihr eigenes Wohlbefinden: Ernähren Sie sich gesund und ruhen Sie sich so oft wie möglich aus.

 

Wenn Sie schon kurz nach der Geburt aufstehen und aktiv werden möchten, ist dies nur gut. Die Bewegung so früh wie möglich nach der Geburt ist sehr wichtig, weil Sie dann schneller wieder fit werden. Alle Körperfunktionen, wie z.B. von Blase und Darm, normalisieren sich rascher.

Auch wenn Sie einen Kaiserschnitt hatten, sollten Sie sich schon wenige Stunden nach der Operation etwas bewegen. Das regt Ihren Blutkreislauf an und verhindert die Bildung von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Ihren Beinen oder Ihrer Lunge.

 

Während der Schwangerschaft werden die Muskeln der gesamten Bauchregion derart gedehnt, dass Ihnen Ihre Bauchdecke sehr schlaff erscheint. Nach und nach wird mit der entsprechender Rückbildungsgymnastik Ihr Bauch wieder flacher und Ihre Bauchmuskeln wieder straffer werden.

 

 

 

Der Baby-Blues

Etwa drei Viertel aller Mütter erleben nach der Geburt eine Zeit der Niedergeschlagenheit oder Traurigkeit, die typischerweise ungefähr drei Tage nach der Entbindung einsetzt. Dieser Zustand wird als Heultage, leichte Wochenbettdepression oder Baby-Blues bezeichnet. Weitere Symptome sind Weinerlichkeit, jähe Stimmungsschwankungen, Gereiztheit, Besorgnis und Erschöpfung.

 

Grund hierfür ist die extreme Umstellung Ihres Hormonhaushalts nach der Geburt. Aber auch persönliche Lebensumstände (Unsicherheiten im sozialen und finanziellen Umfeld) können für de Baby-Blues mitverantwortlich sein. Individuelle Faktoren, z.B. der Wunsch alles richtig und perfekt machen zu müssen und doch nicht zu können, tragen ebenfalls dazu bei. Das so genannte Rooming-In wirkt den depressivern Verstimmungen entgegen.

 

Eine leichte Wochenbettdepression ist normalerweise nach ungefähr einer Woche überstanden. Am besten geht es, wenn Sie während dieser Zeit möglichst viel tatkräftige und moralische Unterstützung durch Ihren Partner, Ihre Familie und Ihre Freunde bekommen. Meiden Sie alles, was Sie zu sehr beansprucht, und überanstrengen Sie sich nicht. Nehmen Sie sich etwas Zeit für sich selbst. Gönnen Sie sich auch einmal eine Erholungspause, um Energie zu tanken.

Gesunde Ernährung und leichte körperliche Übungen bauen ebenfalls Spannungen ab. Sie sollten auch ab und zu Ihr Baby an eine Vertrauensperson abgeben, aus dem Haus gehen und sich mit Freunden treffen. So schöpfen Sie neue Kraft und werden bald wieder ins Gleichgewicht kommen.

 

Auch bis zu 6 Monate nach Beendigung der Stillzeit kann eine solche so genannte Post-partum-Verstimmung noch auftreten. Sollte Ihre Depression andauern, kann es sich um eine ernstere Form der Wochenbettdepression, vielleicht sogar um eine Wochenbettpsychose, handeln. Sie sollten dann so bald wie möglich mit Ihrer Hebamme oder Ihrem Frauenarzt, Ihrer Frauenärztin sprechen.

 

 

Die Brust im Wochenbett

 

Am dritten oder vierten Tag nach der Geburt werden Ihre Brüste sehr stark anschwellen und sich schwerer und empfindlicher anfühlen und wahrscheinlich sogar schmerzen. Dies ist ein deutliches Zeichen, dass die Milch einschießt. Mit Hilfe von kühlen Umschlägen oder Quarkwickeln können Sie sich Linderung verschaffen.

 

Der Milchfluss kommt zu Beginn des Stillens besser in Gang, wenn Sie vorher ein warmes Handtuch über Ihre Brust legen oder eine warme Dusche nehmen. Ein gut sitzender Still-BH, der idealerweise aus Baumwolle sein sollte, nimmt auch etwas von der Brustspannung. Stilleinlagen saugen austretende Muttermilch auf. Nach dem Stillen wirkt ein kalter Waschlappen oder eine Kühlpackung sehr wohltuend.

 

Der Milcheinschuss dauert nur wenige Tage. Sollte es mehr als zehn Tage nach der Geburt zu Schmerzen in der Brust kommt, hat das andere Gründe: Eventuell ist durch einen verstopften Milchgang ein Milchstau entstanden oder durch wunde Brustwarzen sind Keime in das Brustdrüsengewebe eingedrungen und haben eine Infektion, eine sogenannte Mastitis, ausgelöst.

 

Bei Müttern, die nicht stillen wollen oder können, wird sich die Brust ungefähr eine Woche nach der Geburt verkleinert. Bis dahin hilft ein guter Stütz-BH bei schmerzenden Brüsten. Wenn Sie nicht stillen möchten, dürfen Sie auf keinen Fall zur Entlastung Milch abpumpen. Die Milchdrüsen werden dadurch nur zu verstärkter Milchproduktion angeregt. Früher hat man häufig mit Hilfe von Medikamenten abgestillt. Diese Präparate haben jedoch manchmal unangenehme Nebenwirkungen und können in Einzelfällen sogar gefährlich werden. In den USA wurde das am häufigsten verabreichte Medikament aus dem Verkehr gezogen. Die Milchproduktion kann nach Absetzen des Medikaments auch wieder einsetzen. Aus diesen Gründen finden natürliche Methoden zum Abstillen heute mehr Befürworter.

 

 

Brustentzündung

Bei einer Brustdrüsenentzündung (Mastitis) fühlen sich die Brüste heiss an, sind geschwollen, eventuell gerötet und sehr berührungsempfindlich. Eine Mastitis entwickelt sich oft als Folge eines Milchstaus oder wunder, aufgesprungener Brustwarzen. Meist sind mit einer Mastitis auch Kopfschmerzen und grippeähnliche Symptome (Fieber und Schüttelfrost) sowie vergrößerte Lymphknoten in der Achsel verbunden.

 

Um die Milchproduktion und den Milchfluss aufrechtzuerhalten, sollten Sie dennoch weiter stillen oder die Milch abpumpen, und zwar alle 2 bis 3 Stunden. Ruhe zwischen den Stillzeiten tut gut. Haben sich die Symptome nicht innerhalb von 6 bis 8 Stunden gebessert, sollten Sie eine Stillberaterin, Ihre Hebamme oder Ihren Arzt, Ihre Ärztin kontaktieren. Nur in seltenen Fällen sind bestimmte Antibiotika erforderlich, die aber nicht schädlich für Ihr Baby sind. Sie können dann trotzdem weiter stillen. Zunächst wird allerdings häufig erst ein Medikament gegeben, das die Milchbildung abschwächt und gleichzeitig entzündungshemmend wirkt. Die Dosierung ist wesentlich geringer als diejenige zum Abstillen.

 

Brust-Abszesse entstehen, wenn in einem blockierten Milchgang eine Infektion entsteht. Die Brust schmerzt und ist an einer umschriebenen Stelle sehr empfindlich. Manchmal ist ein roter Fleck auf der Haut zu sehen. Versuchen Sie, weiter zu stillen und den Milchfluss in Gang zu halten. Informieren Sie jedoch auch Ihre Hebamme oder Ihren Frauenarzt, Ihre Frauenärztin. Gegebenenfalls müssen Sie mit Antibiotika behandelt werden. In schweren Fällen ist sogar eine kleine Operation nötig, bei der der blockierte Gang eröffnet wird. Kleine rote Flecke auf der Haut sind auch manchmal beim starken Milcheinschuss zu beobachten.

 

Der Wochenfluss

Den anfangs noch blutigen Ausfluss in den ersten Wochen nach der Geburt nennt man „Lochien“, oder „Wochenfluss“. Er zeigt, dass Ihre Gebärmutter sich gut zusammenzieht und zu ihrer normalen Größe zurückkehrt. Das Gewebe im Uterus, vor allem dort wo sich die Plazenta abgelöst hat, verheilt und scheidet dabei Blut, Sekret und abgestorbene Gewebsstückchen aus. Normalerweise dauert der Wochenfluss höchstens vier Wochen. Das ist jedoch individuell unterschiedlich und hängt auch davon ab, ob Sie stillen oder nicht. Bei stillenden Müttern hört der Wochenfluss in der Regel früherauf.

Der Wochenfluss ist in den ersten Tagen normalerweise recht stark und hellrot mit wenigen Blutgerinnseln. Wenn Sie stillen, kann der Ausfluss noch stärker sein und eine intensivere rote Farbe annehmen. Mit der Zeit wird der Wochenfluss schwächer. Seine Farbe wechselt von rot zu rosa oder braun am Ende der ersten Woche; später wird er eventuell gelblich oder ganz farblos.

 

In den ersten Minuten des Stillens wird der Wochenfluss deutlich stärker wird. Durch die Oxytozin-Ausschüttung beim Anlegen werden Kontraktionen der Gebärmutter ausgelöst. Dies sind die "Nachwehen" oder "Reizwehen". Für die Rückbildung des Uterus ist es wichtig, denn wie ein Schwamm wird die Gebärmutterschleimhaut dabei ausgepresst. Dadurch kann sich in der Gebärmutterhöhle kein Sekret aufstauen, was zu einer Infektion führen könnte.

 

Sollte es auch zwischen dem Stillen zu übermäßigen, starkeen oder anhaltenden Blutungen mit größeren Blutgerinnseln oder Gewebsstückchen kommen, müssen Sie sich sofort mit Ihrer Hebamme oder Ihrem Frauenarzt, Ihrer Frauenärztin in Verbindung setzen. Möglicherweise ist ein Teil des Mutterkuchens, also der Plazenta, in der Gebärmutter zurückgeblieben. An dieser Stelle kann die Wunde in der Gebärmutterwand nicht verheilen und verursacht diese verstärkten Blutungen. Sie sollten Ihre Hebamme oder Ihren Frauenarzt, Ihre Frauenärztin ebenfalls informieren, wenn die Lochien unangenehm riechen. Wochenfluss riecht normalerweise unauffällig fade. Jedes Anzeichen von Geruch kann ein Zeichen für eine Infektion der Gebärmutter sein.

 

Während des Wochenflusses ist es besser statt Tampons Binden (Vorlagen) zu tragen, um das Risiko einer Infektion zu minimieren.

Gegen Duschen mit einem milden Duschstrahl haben die meisten Geburtshelfer und -helferinnen auch in den ersten Tagen nach der Geburt nichts einzuwenden. Mit Vollbädern sollten Sie zumindest ein bis zwei Wochen warten.

Viele Frauenärzte, Frauenärztinnen raten von Geschlechtsverkehr ab, solange der Wochenfluss anhält, damit keine Infektionen übertragen werden. Inzwischen haben Untersuchungen gezeigt, dass der Wochenfluss zwar erst am Ende der dritten Woche nach der Geburt keine Bakterien mehr enthält, aber auch vor dieser Zeit scheinen Infektionen nach Geschlechtsverkehr nicht häufiger zu sein.

 

 

Schmerzen nach der Geburt

Wenn Sie bei der Geburt einen Dammriss, einen Dammschnitt oder einen Kaiserschnitt hatten, sind Schmerzen im Wochenbett leider nicht zu vermeiden.

Mütter mit einem Dammriss oder einer Naht werden beim Wasserlassen wahrscheinlich einen brennenden Schmerz verspüren und deshalb nicht gern auf die Toilette gehen. Dann hilft es oft, reichlich Flüssigkeit zu trinken, um den Urin zu verdünnen. Weniger konzentrierter Urin ist weniger aggressiv, und dadurch wird das Brennen erträglicher.

 

Bei starken Schmerzen können Sie sich auch ein Schmerzmittel verschreiben lassen. Im Sitzen helfen aufblasbare Ringe oder speziell für diesen Zweck gedachte Kissen.

 

Übungen zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur können die Heilung von Schnitten und Nähten ebenfalls beschleunigen. Aber auch wenn Sie das Glück hatten, die Geburt ganz ohne Riss oder Naht überstanden zu haben, ist Wundsein oder Druckempfindlichkeit der Scheide in den ersten Tagen nach einer Entbindung ganz normal.

 

Krämpfe oder Kontraktionen im Unterleib sind normal. Sie gehören nohc zu den Nachwehen, wenn sich Ihre Gebärmutter zurück entwickelt. Auch beim Stillen machen sich die Gebärmutterkontraktionen bemerkbar. Dies hat einen sehr guten Effekt: Der Wochenfluss wird verstärkt und die Anfälligkeit für Infektionen gesenkt. Zudem bewirkt das dabei ausgeschüttete Hormon Oxytozin ein Zusammenziehen der Milchkanäle in der Brust, wodurch die Muttermilch bzw. das Kolostrum leichter und schneller befördert wird.

 

 

Verstopfung im Wochenbett

Ähnlich wie zu Beginn der Schwangerschaft sorgt die Hormonumstellung für einen veränderten Muskeltonus im Unterleib. Dies kann die Verdauung und den Stuhlgang beeinflussen. Manche Frauen leiden auch unter Verstopfung, weil sie ihren Stuhlgang nach der Geburt aus Angst vor Schmerzen zurückzuhalten versuchen.

Wenn Sie bereits ein paar Tage lang keine Darmentleerung hatten, sollten Sie etwas gegen die Verstopfung tun – versuchen Sie jedoch nicht, den Stuhlgang zu erzwingen. Hämorrhoiden treten nach einer Geburt recht häufig auf und werden durch starkes Pressen nur noch verschlimmert.

 

Unsere Empfehlung:

Trinken Sie reichlich Wasser und ernähren Sie sich ballaststoffreich, z.B. mit Weizenkleie oder Leinsamen. Eine regelmäßige Bewegung sit ebenfalls sehr hilfreich. Die Rückbildungsübungen nach der Geburt haben übrigens denselben Effekt, weil eine starke Beckenbodenmuskulatur den Verdauungstrakt gezielt stimuliert.