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Wissenschaftlicher Austausch mit
Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V.

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Allergien bei Kindern



In den letzten Jahren hat die Allergiehäufigkeit so stark zugenommen, dass bereits jedes dritte Schulkind und die Hälfte der Jugendlichen in Deutschland eine allergische Erkrankung mit den entsprechenden Beschwerden aufweisen. Als häufigste Krankheitsbilder treten Neurodermitis (atopische Dermatitis), Heuschnupfen (Pollenallergie) und Bronchialasthma auf.

 

Neben Umweltfaktoren spielen auch genetische Faktoren eine Rolle - weltweit sucht man nach den dafür verantwortlichen Genen für die verschiedenen allergischen Erkrankungen. Einflüsse auf das Immunsystem des Säuglings und Kleinkindes sind für ein Allergierisiko mitentscheidend.

Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte und von der Stiftung Kindergesundheit unterstützte Langzeitstudie: "GINI - German Infant Nutritional Intervention Study" untersucht seit 1996 den Einfluss verschiedener Säuglingsmilchen auf die allgemeine Allergieentwicklung.

Die Stiftung Kindergesundheit unterstützt die Fortführung dieser Studie, um die Entwicklung von Allergien bei den in die Studie involvierten Kindern weiter zu verfolgen. Hieraus können wertvolle Rückschlüsse für Empfehlungen zur Vorbeugung von Allergien geschlossen werden.

 

Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.kindergesundheit.de/praevention-allergie.html

 

Typische allergische Symptome werden von verschiedenen Organen, vorwiegend der Haut und der Atemwege sowie dem Verdauungstrakt ausgelöst:

  • Juckreiz, Hautausschläge, Ekzem, Quaddelbildung, Rötung
  • Fließschnupfen, Niesattacken
  • juckende Augen
  • Husten
  • Atembeschwerden, Atemnot, Asthma bronchiale (Atemgeräusche)
  • Magen-Darm-Problemen (z.B. Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung, Blähungen, Bauchschmerzen)
  • Selten: Anaphylaktischer Schock (Kreislaufschock bis hin zum Tod in schweren Fällen); Kopfschmerzen, Migräne, Müdigkeit, ADHS (Konzentrationsstörungen)

Auslöser verschiedener allergischer Erkrankungen:

Bei allergischen Atemwegserkrankungen:

Einatmen von allergieerzeugenden Substanzen (Inhalationsallergene), Tierhaare (besonders Katzen), Hausstaubmilben, Pollen, Tabakrauch, Lebensmittel, die in enger botanischer/chemischer Verwandtschaft zu den allergenen Pollen stehen, eingeatmete Chemikalien

Bei atopischer Dermatitis:

Neben psychischen Auslösern (z.B. Stresssituationen) können verschiedene Faktoren eine Rolle spielen (z.B. hormonell oder bakteriell bedingt) sowie das Einatmen von Allergie ausslösenden Substanzen (Inhalationsallergene) oder der Kontakt mit diesen (Kontaktallergene): Textilien (z.B. Material, giftige Farben), Tabakrauch, Schmuck (z.B. Nickel), Kosmetika, Pflege-, Reinigungsmittel, Pollen, Tierhaare, Lebensmittel, Arzneimittel.

Wenn nicht rechtzeitig etwas unternommen wird, kann eine Allergie ein lebenslanger Begleiter werden, der die Gesundheit und Lebensqualität erheblich beeinträchtigt. Eine sogenannte "Allergie-Karriere" ist vorprogrammiert. Diese kann im Säuglings- oder Kindesalter mit einer Kuhmilchunverträglichkeit oder anderen Nahrungsmittelallergie beginnen. Später kann u.U. Neurodermitis, Heuschnupfen oder ein allergisches Asthma bronchiale dazu kommen.

 

Wie eine Allergie entsteht

Bildung von IgE-Antikörper: Diese Antikörper werden gebildet, wenn der Körper bestimmte Fremdstoffe, so genannte Allergene (z.B. Eiweißstoffe (Proteine) aus Lebensmitteln, Blütenpollen, Tierhaaren, Hausstaub, Insektengift) als gefährlich für den Körper einstuft (= Sensibilisierungsphase).

Die IgE-Antikörper heften sich an so genannte Mastzellen im Blut oder im Gewebe. Wird das vermeintlich "gefährliche" Lebensmittel erneut verzehrt oder die Pollen eingeatmet, reagieren die Mastzellen bei sensibilisierten (überempfindlich gewordenen) Kindern sofort und verbinden sich mit dem Allergen. Der Fremdstoff wird markiert und somit vom Immunsystem erkannt und vernichtet.

 

Normalerweise harmlose Stoffe aus der Umwelt können so zu einer Überreaktion des Immunsystems auf körperfremdes Eiweiß führen. Eine allergische Reaktion ksnn dann durch die Freisetzung des Botenstoffs "Histamin" aus der Mastzelle, sofort oder bis zwei Stunden danach (=Soforttyp-Reaktion), ausgelöst werden. Entzündungsreaktionen an Schleimhäuten, Blutgefäßen, Muskelzellen usw. mit den oben genannten Symptomen (wie Schwindel, Schwäche, Blutdruckabfall, anaphylaktischer Schock) sind die Folge (=manifeste Allergie). "Spättyp-Reaktionen" treten innerhalb von 24h auf, z.B. Hautreaktionen bei Kindern mit Neurodermitis.

In manchen Fällen kommt es trotz IgE-Antikörperbildung zu keiner allergischen Reaktion.

 

Faktoren, die zu einer Allergie führen können

Die Ursachen sind bisher noch nicht eindeutig geklärt, aber mehrere Faktoren scheinen eine Rolle zu spielen:

  • Gene:
    Beobachtungen zeigen, dass Kinder, in deren engstem Familienkreis (Eltern, Geschwister) mindestens ein Mitglied unter einer allergischen Erkrankung leidet, ein erhöhtes Allergierisiko haben. Ist ein Elternteil allergisch, liegt das familiär bedingte Allergierisiko des Babys bei 20 bis 40%. Hat bereits ein Geschwister allergische Symptome, ist das Risiko bei 25 bis 35%. Haben beide Eltern eine Allergie, steigt die Wahrscheinlichkeit auf 40 bis 60%, und wenn beide Eltern an der gleichen Art von Allergie leiden, liegt das Allergierisiko für das Kind sogar bei 60 bis 80%. Ist kein Elternteil allergisch, besteht immer noch ein Risiko zwischen 5 und 15% eine Allergie zu entwickeln.
    Für die drastische Zunahme der Allergien kann dies aber nicht ausschlaggebend zu sein.
  • Umwelt:
    Vielmehr scheint der zusätzliche Einfluss der Umweltfaktoren durch den westlichen Lebensstil von Bedeutung zu sein, da die Problematik vorwiegend in den Industrienationen auftritt. Bessere Wärme-Isoliertechniken in schlecht gelüfteten Räumen führen im Gegenzug zu einer erhöhten Feuchtigkeit mit verstärkter Schimmelpilz- und Milbenbelastung, dazu erhöhte Ozon- und Abgaswerte, Tabakrauch, Haustierhaltung (v.a. Katzen), Kosmetika, Pflanzenschutzmittel und auch übertriebene Hygiene scheinen die Zunahme von Allergien zu begünstigen.
    Erhöhte Konzentrationen von Milben: Matratzen, Teppichböden, Vorhänge, Polstermöbel, Stofftiere, Kinositze, Kuschelecke Kindergarten

Hilfe bei Allergie

Bei Verdacht auf eine Allergie sollten die folgenden Untersuchungen immer von einem Arzt (z.B. Allergologen, Kinderarzt mit allergologischer Fachausbildung) durchgeführt werden:

  • Aufnahme der Krankengeschichte des Patienten, möglichst genau protokolliert
  • Hauttest (Prick-Test): Verdächtige allergische Substanzen werden in Lösung auf die Haut getropft. Durch den Tropfen hindurch wird mit einer Nadel (Lanzette) die Haut oberflächlich angestochen.
  • Patch-Test (bei Kindern mit Neurodermitis): Spätreaktionen, die erst innerhalb von Stunden oder Tagen auftreten, können besser erfasst werden als mit dem Prick- oder RAST-Test. Dabei werden die Nahrungsmittel mit einem Pflaster in Kontakt gebracht und anschließend auf die Haut, meist am Rücken, aufgebracht. Nach 24 bis 48 Stunden wird geprüft, ob eine positive Reaktion (Bläschenbildung) erfolgt ist.
  • Blutuntersuchung mit IgE-Antikörper-Nachweis (RAST, Radio-Allergo-Sorbent-Test): Mit dieser Untersuchung können Allergieantikörper vom IgE-Typ gegen verschiedene Nahrungsmittel nachgewiesen werden.

Fällt das Testergebnis positiv aus, sollten Maßnahmen ergriffen werden, um den Kontakt mit der Allergie auslösenden Substanz zu vermeiden bzw. einzuschränken.

 

Allergieauslöser "Milben" - Maßnahmen zur Verminderung der Milbenbelastung:

Mehrerer Studien (Cochrane Metaanalyse) konnten deutlich machen, dass die häufig beschriebenen Schutzmaßnahmen nur wenig bis nichts gegen den Kot der Hausstaubmilben und somit die Allergie auslösende Substanz bewirken können. Nur eine Immuntherapie kann hier wirksam helfen (siehe Hyposensibilisierung). Zur Vervollständigung werden im Folgenden weitere mögliche Maßnahmen bei nachgewiesener Allergie genannt:

  • keine Teppiche (wenn nur kurzflorig) und Polstermöbel
  • glatte Böden regelmäßig nass wischen
  • keine Schaffelle oder Federbetten, -kissen (evtl. milbenundurchlässige Matratzenüberzüge)
  • regelmäßiges Wechseln der Bettwäsche
  • häufiges Stoßlüften der Räume
  • wenig Stofftiere, Kissen; am besten waschbar bei 60 °C (oder über Nacht einfrieren)
  • keine zusätzliche Belastung durch Tierhaare

Verminderung der Schimmelpilzbelastung:

  • häufiges Stoßlüften der Räume (Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60%)
  • Wohnung/Haus auf Stockflecken hin untersuchen (z.B. hinter Schränken, Tapeten, Holzverkleidungen, Kacheln)
  • verschimmelte Lebensmittel/Küchenabfälle vermeiden
  • keine Zimmerpflanzen im Schlafbereich
  • keine Luftbefeuchter an Heizkörper
  • Klimaanlagen regelmäßig reinigen und warten

Rauchen ist schädlich!

Das Rauchen, aber auch das Passivrauchen fördert Allergien und somit auch allergisches Asthma. Daher sollte in Gegenwart von Kindern, aber auch in der Wohnung/Haus sowie innerhalb von Räumen und auch schon während der Schwangerschaft, auf keinen Fall geraucht werden.

 

Hautpflege: Möglichst wenige Hautpflegeprodukte verwenden. Die verwendeten Produkte sollten mild und hautverträglich sein und keine Duftstoffe, Farbstoffe oder ätherischen Öle enthalten.

 

Aktivitäten im Freien:

An Tagen mit sehr starkem Pollenflug sollten die Kinder mit allergischen Erkrankungen nur kurze Zeit im Freien spielen. Auch größere Fahrradtouren sollten nicht in dieser kritischen Zeit gemacht werden. Informationen über den Pollenflug bieten verschiedene Online-Dienste. 

Erzieherinnen und Lehrkräfte sollten immer über bestehende Allergien in Kenntnis gesetzt werden, damit sie entsprechende vorbeugende Maßnahmen treffen können. Kinder mit Insektengiftallergie sollten z.B. nie barfüßig im Freien spielen, sollten keine Lebensmittel, die Bienen oder Wespen besonders anlocken im Freien essen und auch nicht neben Abfallkörben spielen, da sich dort in der Regel sehr viele Wespen tummeln.

Urlaub: Für Kinder mit allergischen Atemwegserkrankungen eigenen sich Feriengebiete in Meeresnähe oder in Hochgebirgsgegenden, da hier der Pollenflug nur sehr gering ist. Wird ein Urlaub in einer anderen Gegend geplant, ist es möglich, sich vorher über die Pollenflugverhältnisse am Urlaubsort zu erkundigen.

 

Tipps für den Alltag:

  • Nasendusche: Pollen werden mit Kochsalzlösung aus der Nase gespült.
  • Nach längeren Aufenthalten im Freien vermindert das abendliche Haare waschen die Pollenbelastung im Schlafzimmer.
  • Pollenschutzgitter am Fenster und im Auto
  • Staubsauger mit Feinstaubfilter filtern extrem feine Partikel und allergene Stoffe wie z.B. Pollen, Milben

 

So stärken Sie das Immunsystem

Ein starkes Immunsystem ist weniger anfällig für Allergien - unsere Tipps:

  • Spiele und Spaziergänge an der frischen Luft tun gut. 
  • Vitamin- und mineralstoffreiche schmeckt gut und stärkt die Abwehrkräfte.
  • Der Besuch einer Kinderkrippe steigert das Immunsystem durch den engen Kontakt zu anderen Kindern.
  • Zu viel Hygiene muss nicht sein. Sowohl das Kind, als auch der Haushalt müssen nicht "porentief rein" sein. Das Immunsystem muss gefordert werden mit verschiedenen so genannten "schädlichen" Stoffen/Bakterien aus der Umwelt. Wenn das nicht mehr der Fall, funktioniert die Abwehr eingeschränkt, die Kinder werden schneller krank.
    Eine vom bayerischen Umweltministerium in Auftrag gegebene Studie kam zu dem Ergebnis, dass Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen, 15-mal seltener an Heuschnupfen und Asthma leiden als Kinder aus nicht-bäuerlichen Familien. Je häufiger der Aufenthalt im Stall war, desto geringer war das Allergierisiko. 
  • Kneipp-Anwendungen

Impfungen schützen

Nach der "Leitlinie für Allergieprävention" gibt es Hinweise, dass das Risiko eine Allergie zu entwickeln eher geringer ist, wenn Kinder geimpft werden. Es gibt bislang keine Untersuchungen, die das Gegenteil bestätigen.

 

Behandlungsmöglichkeiten von Allergien

Bei Lebensmittel- oder Kontaktallergien (z.B. Nickel, Kosmetika) kann durch gezieltes Weglassen der kritischen Lebensmittel bzw. Allergene eine deutliche Verbesserung oder häufig ein Ausbleiben der Symptome bewirkt werden kann. Bei anderen Allergien, wie z.B. gegen Pollen, Schimmel, Milben sollte ein so genannter Etagenwechsel z.B. vom "Heuschnupfen" zum Bronchialasthma unbedingt vermieden werden. In vielen Fällen können die Symptome nach entsprechender Behandlung dauerhaft drastisch vermindert werden.

 

Subkutane Hyposensibilisierung

Als Therapiemöglichkeit bei einer Allergie kann eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie – SIT oder SCIT) ab dem Schulalter helfen. Dabei wird das Immunsystem des Kindes langsam an die vorher ausgetestete Substanz, die eine Allergie auslöst, gewöhnt. Dabei werden vom behandelnden Arzt über mindestens drei Jahre hinweg alle 4 Wochen eine Spritze unter die Haut im Oberarm gegeben. Das gereinigte Allergen wird in einer speziell hergestellten Lösung in genau berechneter, allmählich steigender, Dosierung gespritzt. Um eine schwere allergische Reaktion auszuschließen, erfolgt im Anschluss eine 30-minütige Wartezeit unter ärztlicher Aufsicht. Je nach Art und Schweregrad der Allergie können die Symptome bei immerhin 60 - 90% der Kinder bereits nach einem Jahr deutlich verbessert werden. Bei einigen Kindern und Jugendlichen wird sogar eine langfristige Heilung von der Allergie erzielt. Besonders gute Ergebnisse werden bei Pollen-, Insektengift-, Tierhaar- und Hausstaub-Allergikern erreicht.

 

Sublinguale Hyposensibilisierung

Als Alternative kann auch die sublinguale Hyposensibilisierung (SLIT) durchgeführt werden. Dabei wird die Lösung mit dem ausgetesteten Allergen täglich unter die Zunge geträufelt, dort kurz belassen und anschließend geschluckt. Für Kinder, die große Angst vor Spritzen haben, ist diese Behandlungsform eine alternative Möglichkeit. Für Allergiker, die auf Gräser und Roggen reagieren, ist seit kurzem die Gräser-Impf-Tablette in Deutschland und der EU zugelassen. Die Tablette wird täglich unter die Zunge gelegt und löst sich auf. Die Einnahme ist einfacher und die Dosierung gleichmäßiger als die Handhabung der Tropfen, die gezielt unter die Zunge platziert werden müssen. Neue Studien belegen deutliche Verbesserungen der Heuschnupfen- und Asthmasymptome sowie eine Verminderung der Medikamenteneinnahme nach einer 3-jährigen Anwendung der Tablette, schon bei Kindern ab 5 Jahren. Es fehlen jedoch noch Langzeituntersuchungen, die eindeutig bestätigen, dass auch die Einnahme der Tabletten die Entstehung von Asthma langfristig verhindern kann. Bis dahin wird die spezifische Immuntherapie über Allergie-Spritzen bevorzugt empfohlen.

 

Mögliche Akute medikamentöse Maßnahmen

(bitte sprechen Sie hierüber immer mit dem behandelnden Arzt)

  • Abschwellende Nasentropfen über einen kurzen Zeitraum,
  • Nasen- oder Augentropfen mit Antihistaminika: Die Anwendung muss schon einige Stunden bevor die Beschwerden auftreten, begonnen werden
  • Antihistaminika in Tablettenform: Eine vorbeugende Anwendung ist wichtig, d.h. wenn man aus dem Haus gehen muss oder einen Ausflug in die Natur plant, sollte die Tablette schon morgens bzw. einige Stunden vorher eingenommen werden, damit sie rechtzeitig wirken kann.
  • Tropfen oder Sprays mit Cromoglicinsäure: Diese sollten ebenfalls schon vorbeugend einige Stunden vorher angewendet werden.
  • Sprays und Tropfen mit Kortison bei sehr starken und ausgeprägten Beschwerden.
  • Asthma: Inhalationssprays mit Kortison