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PHILIPS AVENT

 Wissenschaftlicher Austausch mit:
Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V.

Der Kaiserschnitt


Eine Kaiserschnitt-Entbindung, lateinisch kurz Sectio oder Sectio caesarea genannt, ist für Sie bzw. Ihr Baby die sicherste Geburtsmethode, wenn eine vaginale Entbindung zu riskant oder gar unmöglich ist. In Deutschland werden ca. 20 Prozent der Kinder durch einen Kaiserschnitt geboren. Dies kann unterschiedliche Gründe haben.

Schon einige Zeit vor dem errechneten Geburtstermin können Gründe für einen primären, geplanten Kaiserschnitt sprechen:

  • ein "relatives Missverhältnis" des mütterlichen Beckens zur Größe des Kindes
  • eine Rhesusfaktor-Unverträglichkeit
  • Zwillingsgeburten
  • ein vorzeitiger Blasensprung (Gefahr von aufsteigenden Infektionen, die das Kind gefährden)
  • eine schweren Erkrankungen der Mutter (z.B. Eklampsie, HELLP-Syndrom)
  • vorausgegangenen Operationen an der Gebärmutter
  • eine vorliegenden HIV-Infektion (bei der das Kind sich bei der Geburt anstecken könnte)
  • eine vorliegende Plazenta praevia (die Plazentea liegt vor dem Muttermund)
  • ein zu geringes Geburtsgewicht (z.B. durch Frühgeburt) des Kindes
  • eine Erkrankung des Ungeborenen oder
  • eine Lage, die eine Geburt auf natürlichem Weg unmöglich macht, wie z.B. die Beckenendlage, wenn eine äußere Wendung ohne Erfolg blieb

 

Ein Notfall-Kaiserschnitt, auch sekundärer Kaiserschnitt genannt, kann entweder vor Beginnen der tatsächlichen Geburtstätigkeit oder während der laufenden Geburt durchgeführt werden, wenn eine Situation auftritt, in der das Leben des Kindes oder der Mutter gefährdet ist und die Geburt schnellstmöglich durchgeführt werden muss.

Die Gründe für ein schnelles Eingreifen in den Geburtsvorgang können sein:

  • ein Geburtsstillstand
  • völlige Erschöpfung oder mangelnde Kooperation der Mutter
  • Komplikationen im Geburtsverlauf (z.B. ein Riss der Gebärmutter oder eine vorzeitige Ablösung der Plazenta, Fieber der Mutter)
  • konstant abfallende Herztöne beim Kind
  • das Einklemmen der Nabelschnur und damit verbundener Gefahr des Sauerstoffmangels für das Kind oder
  • eine Lage, die den Eintritt in den Geburtskanal unmöglich machen

 

Ein Kaiserschnitt ist ein größerer operativer Eingriff in Vollnarkose oder Regionalanästhesie, nach dem Sie wahrscheinlich, je nachdem wie wohl Sie sich fühlen, vier bis sieben Tage im Krankenhaus bleiben und bestimmte Vorsichtsmaßnahmen im Wochenbett beachten. In vielen Fällen ist auch nach einem Kaiserschnitt eine normale vaginale Geburt in der nächsten Schwangerschaft möglich.

 

 

Operationsverfahren

Der Kaiserschnitt (Sectio caesarea) ist eine geburtshilfliche Operation von bis zu einer Stunde , bei der die Bauchhöhle und die Gebärmutter zur Geburt des Kindes aufgeschnitten werden. Mit einem horizontalen Schnitt in der "Bikinizone" wird die Bauchdecke Schicht für Schicht eröffnet. Als letztes wird die Uterusmuskulatur aufgeschnitten und das Baby herausgeholt. Das Kind und der Mutterkuchen werden behutsam herausgenommen und das Neugeborene wird abgenabelt. Anschließend werden die Gebärmutter und die Bauchschichten nacheinander wieder vernäht.

 

Eine sanftere Methode ist der so genannte "Misgav-Ladach"-Kaiserschnitt, bei dem die Bauchdecke nicht komplett aufgeschnitten, sondern teilweise stumpf eröffnet (gerissen und gedehnt). Anschließend werden nur solche Gewebeschichten vernäht, für die dies unbedingt erforderlich ist. Die Wunde kann so durch die ausgefransten (nicht glatten) Wundränder besser heilen und ist mit weniger Wundschmerz verbunden.

 

 

Komplikationen

Zwar war die Gefährdung der Mutter bei einem Kaiserschnitt noch nie so gering wie heute. Dennoch ist das Risiko einer Schwangeren, an den Folgen der Geburt zu sterben, beim Kaiserschnitt etwa dreimal so hoch wie bei einer Vaginalgeburt, wie die Statistiken der bayerischen Perinatalerhebung zeigen. Nach einem Kaiserschnitt ist die Gefahr für die Entwicklung von Thrombosen und einer Lungenembolie besonders hoch, da die Blutgerinnung durch die Schwangerschaft verändert ist.

 

Kommt es in Ausnahmefällen bei der Operation zu einem starkem Blutverlust, kann eine Bluttransfusion notwendig werden. Ein derartiger Blutverlust kann auch entstehen, wenn sich die Gebärmutter nach der Geburt des Kindes nicht gut zusammenzieht oder der Mutterkuchen in die Gebärmutter eingewachsen ist (Plazenta accreta). In solchen Fällen werden zunächst Medikamente verabreicht, die zu einer Kontraktion der Gebärmutter führen. Sehr selten muss die Gebärmutter wegen der lebensbedrohlichen Blutung entfernt werden.

 

Wie bei allen Operationen besteht durch die Sectio die Gefahr einer Wundinfektion. Besonders gefährdet sind Frauen mit Diabetes mellitus und sehr dicken Bauchdecken. Hier helfen schon Antibiotika, manchmal muss allerdings die Operationsnarbe zum Ablassen von Sekret und Eiter erneut aufgeschnitten und wieder zugenäht werden.

Die häufigste Komplikation nach der Operation ist eine milde Darmträgheit, die mit ausreichender Trinkmenge und leicht abführenden Medikamenten schnell überwunden wird. Gelegentlich gibt es Blasenentleerungsstörungen, die mit der Einlage eines Einmalkatheters kurzfristig behandelt werden. Blasenentzündungen kann man mit reichlich Flüssigkeit und eventuell Antibiotika in den Griff bekommen.

 

Spätfolgen eines Kaiserschnitts können, wie bei jeder anderen Bauchoperation, Wucherungen und Verwachsungen sein. Narbengewebe im Bauchraum kann die Funktion der Eierstöcke beeinträchtigen und zu Unfruchtbarkeit führen. Auch die Operationsnarbe kann noch lange Zeit schmerzen. Nach einer Kaiserschnittgeburt passiert es häufiger als sonst, dass bei weiteren Schwangerschaften die Plazenta den Muttermund versperrt (Plazenta praevia).

 

 

Was bedeutet ein Kaiserschnitt für das Baby?

Das Risiko für das Kind ist bei einer Schnittentbindung nicht hoch. Es ist statistisch gesehen sogar etwa zehnfach geringer als bei einer vaginalen Geburt. Manche Geburtshelfer sagen deshalb auch, der Kaiserschnitt sei für die Mutter die gefährlichste und für das Kind die sicherste Geburtsmethode.

 

Für das Baby ist ein Kaiserschnitt nicht unbedingt die schonendere Methode, zur Welt zu kommen. 

Da das Fruchtwasser nicht wie bei der vaginalen Geburt durch den starken Druck auf dem Weg durch den engen Geburtskanal aus der Lunge gepresst. leidern die Neugeborenen öfter an Atemproblemen, einer milden Form des Atemnotsyndroms. Kinder, die per Kaiserschnitt auf die Welt kamen, sollen später dreimal so häufig an Bronchialasthma erkranken wie Kinder, die vaginal geboren wurden.

 

Die Atemwege der Kaiserschnittbabys müssen deshalb nach der Geburt gleich sorgfältig abgesaugt werden. Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass das Neugeborene möglichst spät abgenabelt wird. Die Anästhesisten (Narkoseärzte) achten auch sehr darauf, dass bei einer Vollnarkose soviel Betäubungsmittel wie nötig, aber so wenig wie möglich gegeben wird, damit das Neugeborene nicht darunter leidet. Für ein schwaches Kind, das durch Komplikationen einer vaginalen Geburt (akuten Sauerstoffmangel), geschädigt werden könnte, ist der Kaiserschnitt ein Segen.

 

 

Wunschkaiserschnitt?

Ist ein Kaiserschnitt auf Wunsch vertretbar? Diese Frage wird sowohl unter den Schwangeren in Geburtsvorbereitungskursen als auch unter den Experten auf internationalen Gynäkologenkongressen diskutiert.

Etwa 15 Prozent aller Schwangeren müssen aus medizinischen Gründen per Kaiserschnitt entbinden, für sie ist diese Operation eindeutig ein Segen. Doch immer mehr Frauen möchten Ihr Kind per Kaiserschnitt zu bekommen, ohne dass eine medizinische Indikation vorliegt.