Was ist der Unterschied zwischen Folat und Folsäure?

Folat, auch "Vitamin B9", ist ein wasserlösliches Vitamin, das natürlicherweise in Lebensmitteln enthalten ist.

 

Bei Folsäure handelt es sich um die industriell hergestellte stabile Form des Vitamins, die im Körper zu der natürlichen Form umgewandelt wird. Folsäure wird zur Anreicherung von Lebensmitteln verwendet und ist in Nahrungsergänzungsmitteln enthalten. Folsäure hat eine höhere Bioverfügbarkeit als Folat, das heißt sie kann vom Körper etwa doppelt so gut aufgenommen werden als Folat und ist zudem stabiler.

 

 

 

Wozu wird Folat benötigt?

Folat wird für Zellteilung und Wachstumsprozesse benötigt. Es ist wichtig für den korrekten Aufbau der DNA (Träger der Erbinformation) und Aminosäuren (Eiweißbausteine), die in jeder Zelle unseres Körpers benötigt werden. Außerdem fördert es die Bildung roter und weißer Blutkörperchen, den Aufbau des Knochengerüsts und der inneren Organe des Babys.

 

Darüber hinaus trägt dieses B-Vitamin im Stoffwechsel dazu bei, den gefäßschädigenden Stoff Homocystein aus dem Blut zu „entsorgen“. So können auch die Blutgefäße und das Herz von diesem Vitamin profitieren. Hohe Homocysteinwerte stehen außerdem im Zusammenhang mit der bei Schwangeren gefürchteten Präeklampsie.

 

In der frühen Schwangerschaft wird Folat benötigt, um Neuralrohrdefekte vorzubeugen.
Auch Herzfehler sowie Lippen-Kiefer-Gaumenspalten sowie Frühgeburten, Spontanaborte und niedriges Geburtsgewicht wurde bei schlechter Folatversorgung gehäuft beobachtet.

 

 

Infobox: Neuralrohdefekt  

 

Der Begriff Neuralrohrdefekt fasst mehrere Fehlbildungen zusammen, deren Ursache der unvollständige Verschluss des Neuralrohrs in der frühen Schwangerschaft (ca. 6. SWS) ist. Das Neuralrohr ist ein Vorläufer des Nervensystems und bildet sich aus den Neuralplatten, die zunächst zu einer Rinne und später zu einem verschlossenen Rohr fusionieren.

 

Bei schlechter Folatversorgung kommt es gehäuft zu einem unvollständigen Verschluss des Neuralrohrs. Die resultierende Fehlbildung hängt davon ab, an welcher Stelle der unvollständige Verschluss auftritt. Die beiden häufigsten Neuralrohrfehlbildungen sind Anenzephalie und Spina bidifa.

 

Anenzephalie: Das Neuralrohr schließt sich an dem Ort des späteren Gehirns nicht, bei betroffenen Kindern fehlen Teile des Gehirns und sie sind nicht lebensfähig. Lebend geborene Kinder sterben wenige Tage nach der Geburt.

 

Spina bifida, auch offener Rücken ist die häufigere Form des Neuralrohrdefekts. Betroffene Kinder kommen mit einer offenen Wirbelsäule zur Welt. Die Folgen variieren zwischen sehr leichten und starken Beeinträchtigungen. In seltenen, leichten Fällen der Spina bifida aperta (Meningozele) kann eine Operation dazu führen, dass die Kinder ohne weitere Beeinträchtigung leben können. Rund 1/3 der betroffenen Kinder ist allerdings lebenslang schwer behindert. Dabei ist die Stelle der Fehlbildung am Rücken entscheidend für die Beeinträchtigung (Lähmung, fehlende Sensibilität, fehlende Kontrolle über Darm und Blase). In manchen Fällen tritt auch ein Hydrocephalus (Wasserkopf) auf.

 

Die Zahl der Neuralrohrdefekte ist in Deutschland noch immer zu hoch und liegt bei 1-2 pro 1000 Lebendgeburten. Allerdings ist die Dunkelziffer hoch, da ein Absterben des Embryos in der frühen Schwangerschaft selten nachweisbar ist und Fehlgeburten im frühen Stadium der Schwangerschaft oft nur als normale Periode wahrgenommen werden.

 

 

Es wurde gezeigt, dass eine Supplementierung (ergänzende Aufnahme von Präparaten) von Folsäure (der künstlichen Form des Folats) dazu führt, die Zahl der Neuralrohrdefekte drastisch zu senken. Die Risikoreduktion beträgt mehr als 70% (WHO-Metaanalyse).

 

 

Wie sieht die richtige Folsäurezufuhr aus? Lesen Sie hier weiter

 

 

 

 

Diese Rubrik wurde erstellt mit freundlicher Unterstützung der Bayer Vital GmbH