Rechtzeitig und ausreichend!

Warum sollte man schon vor der Schwangerschaft auf seine Folatzufuhr achten?

Wichtige Entwicklungsschritte des Kindes spielen sich zu einem Zeitpunkt ab, zu dem die meisten Frauen noch nichts von ihrer Schwangerschaft wissen.

 

Bereits zwischen dem 18. und 28. Schwangerschaftstag, das heißt in der 5. und 6. Schwangerschaftswoche, werden Gehirn und Rückenmark angelegt und das sogenannte Neuralrohr muss sich schließen. Auch weitere Organe werden frühzeitig angelegt.

 

Es zeigt sich, dass nahezu 90% der Frauen in der Schwangerschaft Folsäure einnehmen, aber nur ca. 10-34% beginnen zum empfohlenen Zeitpunkt – nämlich bereits vor der Schwangerschaft.

 

Grundsätzlich wird ein Zeitfenster der Supplementierung (Präparateinnahme) von 4 Wochen vor der Schwangerschaft bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels empfohlen, aber auch nach dem ersten Schwangerschaftsdrittel und in der Stillzeit ist der Folatbedarf erhöht.

 

Um von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Folatwerte im Blut (Erythrozytenfolatkonzentration > 906 nmol/L bzw. 400 ng/mL) zu erreichen, werden allerdings mehr als 4 Wochen benötigt. Die dafür benötigte Zeit ist von der Dosis der Präparate und der Ausgangsfolatkonzentration (also vor Beginn der Einnahme eines Präparats) abhängig.

 

Da ca. 50% der Schwangerschaften ungeplant entstehen, ist es schon ab Kinderwunsch bzw. bei Absetzen der Pille oder anderer Verhütungsmethoden wichtig, zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung Folsäure in Form von Präparaten einzunehmen.

 

>> mind. 4 Wochen vor der Schwangerschaft mit der Einnahme von Präparaten beginnen <<

 

 

 

Wie viel Folat ist nötig?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, dass Frauen während der gesamten Schwangerschaft täglich 550 µg (=Mikorgramm) Gesamtfolat aufnehmen.

 

Die Zufuhr im Rahmen einer normalen Ernährung liegt in Deutschland im Mittel bei 200 µg. Damit werden nicht einmal die für nichtschwangere, nichtstillende Frauen empfohlenen 300 µg Gesamtfolat (=Nahrungsfolat = Folatäquivalente) erreicht.


Selbst bei einer sehr bewussten und ausgewogenen Ernährung ist eine Deckung des erhöhten Folatbedarfs kaum möglich, weshalb schwangeren Frauen - und solchen die es werden möchten – empfohlen wird, täglich mindestens 400 µg Folsäure in Form eines Präparats einzunehmen. Wenn erst kurz vor einer möglichen Schwangerschaft mit der Einnahme begonnen wird ist eine höhere Menge (z. B. 800 µg Folsäure/Tag) ratsam.

 

0,5 µg Folsäure (auf nüchternen Magen eingenommen) entsprechen ca. 1 µg Folat, da Folsäure vom Körper doppelt so gut aufgenommen wird, wie das natürliche Folat. Eine Frau, die täglich 400 µg Folsäure mit einem Präparat aufnimmt (entspricht ca. 800 µg Nahrungsfolat) und sich dazu normal ernährt und damit etwa 200 µg Nahrungsfolat zuführt, erreicht sogar mehr als die empfohlenen 550 µg und ist was die Versorgung mit Folat angeht somit gut aufgestellt.

 

Zur Unterscheidung zwischen Folsäure und Folat

 

Allerdings ist ein rechtzeitiger Beginn der Einnahme wichtig, um ausreichend hohe Blutwerte zu erreichen. Bei Präparaten mit 400 µg werden ca. 2-3 Monate benötigt, bei einer täglichen Dosis von 800 µg wird die als vor Neuralrohrdefekten schützende Blutkonzentration innerhalb von 4 Wochen erreicht. Frauen, die erst kurz vor oder sogar während der Schwangerschaft mit der Einnahme von Folsäurepräparaten beginnen, wird deshalb eine tägliche Dosis von 800 µg empfohlen.

 

 

 

Ab Kinderwunsch, jedoch mindestens 4 Wochen vor der Befruchtung, täglich 400 µg Folsäure in Form eines Präparats zuführen.
Wenn vor der Befruchtung nicht regelmäßig Folsäure eingenommen wurde (da die Schwangerschaft ungeplant war), sollen täglich 800 µg Folsäure in Form eines Präparats eingenommen werden.

Sonderfälle

In einigen Fällen, zum Beispiel bei der Einnahme von Medikamenten oder dem Vorliegen von Krankheiten, kann die benötigte Folsäuredosis deutlich von den üblichen Empfehlungen abweichen.

 

Bei Diabetikerinnen oder Frauen, die bereits ein Kind mit Neuralrohrdefekt haben, liegt die empfohlene Dosis deutlich höher. In diesen Fällen sollten Sie unbedingt mit Ihrem Arzt oder Ärztin über die benötigte Dosis sprechen. Kinder von übergewichtigen Frauen haben ein höheres Risiko für Neuralrohreffekte, weshalb übergewichtige Frauen von einer höheren Folsäuredosis profitieren könnten.

 

Mütter mit Zöliakie oder anderen Formen einer Resorptionsstörung ist die Aufnahme von Nährstoffen aus dem Darm in den Blutkreislauf generell eingeschränkt. Auch die Aufnahme von Folsäure ist vermindert, weshalb das genaue Vorgehen der Folsäure-Supplementierung mit dem Arzt/der Ärztin besprochen werden sollte.

 

Auch Frauen, die Folsäureantagonisten – also Stoffe die im Körper der Folsäure entgegenwirken – oder andere Medikamente, die den Folsäurestoffwechsel beeinflussen, einnehmen, benötigen andere Folsäuredosierungen, um eine ausreichende Versorgung für Mutter und Kind zu gewährleisten.

 

Zu den Folsäureantagonisten gehören unter anderem:

 

•    Antiepileptika (Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital, Primidon)
•    einige Antibiotika (Trimethoprim, Sulfonamide)
•    Immunsuppressiva (Methotrexat)
•    Mittel, die bei Bluthochdruck, Ödemen oder Herzschwäche eingesetzt werden (Triamterene)
•    Lipid- und Cholesterinsenker (Colestyramin, Fibrate)
•    Antiazida und Protonenpumpenhemmer
•    Laxanzien
•    Barbiturate
•    Sulfasalazin (zur Behandlung der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn eingesetzt)
•    Metformin (Einsatz bei Diabetes)

 

Sollten Sie Medikamente aus dieser Liste einnehmen, informieren Sie unbedingt Ihren behandelnden Frauenarzt / Ihre Frauenärztin und sprechen Sie über die für Sie richtige Dosierung des Folsäurepräparats.

 

 

Was sind folatreiche Lebensmittel? Welches Folsäurepräparat eignet sich für mich am besten?

 

 

 

 

 

 

Diese Rubrik wurde erstellt mit freundlicher Unterstützung der Bayer Vital GmbH