April 2011

Schreibabies - Eine besondere Herausforderung für junge Eltern

Für Babies ist Schreien eine ganz normale Art, auf sich aufmerksam zu machen: bei Hunger, einer vollen Windel oder ganz einfach dem Wunsch nach Zuwendung oder Unterhaltung. Wird die Ursache durch Wickeln, Stillen, Zureden oder Hin- und Hertragen behoben, ist das Baby rasch wieder zufrieden. Ganz anders verhält es sich bei "Schreibabies": Die Kinder beginnen ohne erkennbare Ursache plötzlich und herzzerreißend zu schreien. Solche heftigen Schreiattacken dauern oft stundenlang und ereignen sich mehrmals pro Woche. Die Eltern geben Ihr Bestes, um Ihrem Baby zu helfen - jedoch meist ohne Erfolg.

"Das ist für junge Eltern eine schlimme Situation, wenn sie ihr eigenes Baby nicht beruhigen können", so Prof. Dr. med. Sibylle Koletzko, Leiterin der Abteilung für Kindergastroenterologie am Dr. v. Haunerschen Kinderspital der Uniklinik München. Ein über mehrere, insbesondere nächtliche Stunden schreiender Säugling bedeutet eine enorme seelische und körperliche Belastung.

Der Stress führe oft zu Selbstzweifeln und Versagensängsten, die allerdings vollkommen unbegründet sind: "Das Schreien wird nicht durch elterliche Fehler im Umgang mit dem Baby hervorgerufen! Eltern sollten sich also nicht von Vorwürfen ihrer Umgebung irritieren lassen, sie würden ihr Kind falsch behandeln", stellt Prof. Koletzko klar. "Bei einigen Säuglingen liegt die Ursache der sogenannten "Drei-Monats-Koliken"  in einer Unreife des Darmes. Deshalb reagiert er besonders empfindlich, z.T. mit Schmerzen auf Darmbewegungen oder Luftansammlungen, die während des normalen Verdauungsvorgangs auftreten. Die Symptome und die dadurch hervorgerufenen Schreiphasen beginnen in der 2. bis 4. Lebenswoche und enden in den meisten Fällen im 4. Lebensmonat. Doch bei vielen Eltern von Schreibabies liegen bereits vorher die Nerven blank. Im Extremfall lassen sich manche in ihrer Verzweiflung sogar zu unbedachtem Schütteln ihres Kindes hinreißen. Die Folgen können schwerste, lebenslange Behinderungen durch Hirnblutungen sein.

"Auch wenn es schwer fällt: betroffene Eltern sollten so gut es geht die Ruhe bewahren, und dem Kind eine ruhige Umgebung ohne Lärm und Hektik bieten.", meint Prof. Koletzko. Gestillte Kinder sollen weiter gestillt und bei Flaschenkindern die Nahrung nur nach Rücksprache mit dem Kinderarzt umgestellt werden.

Derzeit gibt es noch keine zugelassenen Medikamente, die sich als wirksam bei der Behandlung von Schreibabies erwiesen haben.  Ein Medikament befindet sich in der Klinischen Prüfung: der Wirkstoff soll die überempfindliche Schmerzwahrnehmung im unreifen Darm blockieren. In einer früheren Studie bei Säuglingen sind Nebenwirkungen bisher nicht beobachtet worden.

Momentan läuft eine zweite Studie bei 120 Babys in Europa und den USA. Das deutsche Studienzentrum unter Leitung von Prof. Koletzko befindet sich am Dr. von Haunerschen Kinderspital in München. Hier können sich Eltern aus dem Raum München mit Schreibabies über die Möglichkeit einer Studienteilnahme beraten lassen, sofern folgende Kriterien zutreffe

  • Das Baby ist zwischen 1 und 4 Monate alt, voll gestillt und abgesehen von den Schreiattacken gesund. 
  • Die Schreiattacken ereignen sich mehr als 3 Mal pro Woche und dauern jeweils mindestens 3 Stunden oder länger.
  • Die Besuche am Studienzentrum in München können wahrgenommen werden.

Interessierte Eltern melden sich unverbindlich unter folgendem Kontakt:

Studientelefon: 089/5160-3680

Email: nocry@med.lmu.de